Suche
08.12.2015

Ernstfall Tihange

Manche Bretter brauchen wirklich sehr lange, bis sie gebohrt sind. Endlich hat auch die Verwaltungsspitze in Aachen verstanden, dass mit Blick auf Tihange Nichtstun keine Lösung ist. Die hartnäckige und jahrelange Arbeit und Aufklärungspolitik von Aachener Atomkraftgegnern, Ärzten und uns Aachener GRÜNEN hat sich letztendlich gelohnt. Aus einer Pressemitteilung der Stadt Aachen (Nr. 1784/15) vom 8.12.2015:

„Der Krisenstab der Stadt Aachen ist am heutigen Dienstag einberufen worden. Die für die Beteiligten unangekündigte Alarmierung wurde aus Übungszwecken ausgelöst, das Krisenszenario war ein vermeintlicher Defekt am belgischen Atomkraftwerk Tihange und eine damit zusammenhängende Bedrohungslage für die Aachener Bevölkerung. Von einer ersten vagen Schadensmeldung bis zum größten anzunehmenden Unfall (GAU) sind verschiedene Szenarien absolviert worden.

Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität
Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte die Übung des Krisenstabes angeordnet. Auch die Bezirksregierung und das Gesundheitsamt der Städteregion waren vor Ort. Philipp: „Wir sind in den zurückliegenden Wochen kritisiert worden, dass wir unsere Möglichkeiten für diesen speziellen Ernstfall noch nicht entsprechend getestet hätten. Das haben wir nun heute nachgeholt.“ [...]

Marcel Philipp konnte wie Feuerwehrchef Jürgen Wolff eine positive Bilanz der Übung ziehen. „Wir sind in der Lage, auf eine atomare Bedrohung im Katastrophenschutz zu reagieren“, sagte Wolff. Allerdings sei die Handlungsfähigkeit des Aachener Katastrophenschutzes abhängig von der Schwere der Bedrohung. Ferner könne bei einer Gesamtbetrachtung die Situation in der Stadt Aachen nicht losgelöst von der Lage in der kompletten (Grenz-)Region gesehen werden. Bis zur vollständigen Auswertung des Testszenarios und seiner Ergebnisse müsse man mit detaillierten Aussagen warten. Die Erkenntnisse der Übung sollen bei einer Pressekonferenz in der kommenden Woche erläutert werden.

Extrem kritischer Blick auf das Atomkraftwerk Tihange
Philipp betonte erneut, dass die Stadt Aachen den Status Quo des rund 65 Kilometer entfernten Atomkraftwerks Tihange extrem kritisch sehe: „Wir haben die einstimmig verfasste Resolution des Stadtrates, in der die Landes- und Bundesregierung mit Nachdruck aufgefordert werden, sich für eine Stilllegung von Tihange einzusetzen. Wir haben uns als Stadt an die belgische Atomaufsicht und die zuständige Stelle der Deutschsprachigen Gemeinschaft gewendet. Und über die Euregio richten wir uns direkt an das Kraftwerk.“ Die Absicht des belgischen Betreibers, das mit unzähligen Rissen in der Reaktorwand versehene Tihange 2 Mitte Dezember wieder hochzufahren, bezeichnete der Aachener Oberbürgermeister als bedrohlich und unverantwortlich.

Philipp hat auch Kontakt mit dem Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen aufgenommen. Man werde sich in den kommenden Tagen zum Gedankenaustausch treffen, betonte Philipp: „Es dürfte ja auch kaum Dissenz in der Haltung und in der Zielsetzung geben, die Bürgerinnen und Bürger für den hoffentlich nie eintretenden Ernstfall entsprechend zu schützen.“

Verteilung von Jodtabletten als ein zentraler Punkt
Über einen Kernpunkt der Kritik, die das Aktionsbündnis anbringt, nämlich die Versorgung der Aachenerinnen und Aachener mit Jodtabletten, wird die Stadt mit dem Land NRW noch tiefer in den Austausch gehen. Entsprechende Mengen der Tabletten hat das Land in der Apotheke des Universitätsklinikums deponiert.

Eine Vorabverteilung der Tabletten zeichnete sich in der Krisenübung als zielführender ab als das vom Land favorisierte Verfahren, die Tabletten erst im Ernstfall zu verteilen. Um diese Frage zu klären, hat Oberbürgermeister Philipp die Aachener Landtagsabgeordneten ebenfalls zu einem Gespräch eingeladen.“

Suche