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13.09.2016

Melanie Seufert – die Ratsfrau aus dem Süden

Melanie (rechts im Bild) mit Freunden beim GRÜNEN Frühstück im Frankenberger Park.

Am Mittwoch wird sie ihre erste Ratssitzung als Ratsfrau erleben – ein bisschen aufgeregt ist sie schon, die gebürtige Karlsruherin: Melanie Seufert rückt für Tina Hörmann nach und wird ihren Schwerpunkt auf die Sozialpolitik legen.

Nach dem Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau kam Melanie Ende 2013 nach Aachen. Nach einem ehrenamtlichen Engagement bei der Bahnhofsmission und beim Städtepartnerschaftsverein AC-Saryier bringt sie inzwischen mehrere (Teilzeit-)Jobs unter einen Hut: Im GRÜNEN Büro in der StädteRegion und beim Kreisverband kümmert sich die 32-jährige um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, macht politische Bildung fürs DRK Nordrhein und ist seit Anfang 2016 mit einigen Stunden bei der Picco Bella, einer gemeinnützigen und sozialorientierten Einrichtung, als Sozialcoach angestellt.

Warum die GRÜNEN, Melanie?
Ich habe zwar schon immer die GRÜNEN gewählt, doch wie „grün“ ich wirklich bin, das habe ich erst im Laufe der Zeit gemerkt. Ich fahre leidenschaftlich gerne Fahrrad und nachhaltiger Konsum ist mir sehr wichtig. Ich habe angefangen, meine Ernährung möglichst regional und saisonal auszurichten und weniger, dafür aber qualitativ hochwertigeres Fleisch zu essen. Wir zerstören mit unserem Konsum- und Wachstumswahnsinn die Lebensgrundlagen anderer Länder. Und wie wir unsere Tiere halten, das ist einfach grauenvoll. Gute Tierhaltung, Verringerung des Plastikverbrauchs usw., dafür setzen sich die GRÜNEN ein, das finde ich großartig.

Ich mag Menschen und ich mag die Vielfalt unserer Welt: Die GRÜNEN spiegeln diese Vielfalt wider. Ich war früher viel im Ausland unterwegs. Ich habe in den USA und in Mexiko gelebt, bin durch Sri Lanka und Indien gereist und war sogar schon mal in Eritrea. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Toleranz und Offenheit wichtig sind, damit das gesellschaftliche Zusammenleben funktioniert. Kulturelle Vielfalt stellt eine absolute Bereicherung für eine Gesellschaft dar, auch wenn sie manchmal Probleme verursacht. Die GRÜNEN sehen die Herausforderungen, die mit Migration verbunden sind, als Chance und nicht als Untergang des deutschen Volkes, wie manch andere politischen VertreterInnen. Außerdem fördern die GRÜNEN Frauen in einer Weise, wie das keine andere Partei tut.

Was war deine persönliche Motivation, um politisch zu arbeiten?
Ganz ehrlich, hätte mir jemand vor fünf Jahren gesagt, dass ich 2016 in den Aachener Stadtrat einziehe, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich habe zwar u.a. auch Politikwissenschaft studiert, aber mit Kommunalpolitik hatte ich nichts am Hut. Zu lokal, zu kleinteilig. Ich war eher an internationalen Themen, z.B. Entwicklungszusammenarbeit, interessiert.

Meine Leidenschaft für Kommunalpolitik habe ich im Laufe der Zeit entdeckt. Als ich 2013 bei den GRÜNEN in der StädteRegion angefangen habe, habe ich festgestellt, dass man mehr Einfluss auf die Dinge haben kann, die im Kleinen stattfinden. Ich will meinen Beitrag für eine funktionsfähige Gesellschaft leisten und aktiv mitgestalten. Auch das Hintergrundwissen um die Dinge, die um mich herum passieren, finde ich total spannend. Außerdem finde ich es gerade in der jetzigen Zeit, mit dieser Stimmung im Land, umso wichtiger, sich politisch zu engagieren und aktiv für unsere (noch) weltoffene und tolerante Gesellschaft einzustehen.

Auf was freust du dich in der Ratsarbeit?
Ich freue mich besonders, das soziale Netzwerk in Aachen noch besser kennenzulernen und mit den unterschiedlichen Akteuren, Parteien, Verwaltung zusammenzuarbeiten. Außerdem freue ich mich auf den Wahlkampf. Im Kommunalwahlkampf hatte ich noch etwas Manschetten davor, an Infoständen zu stehen. Jetzt, mit mehr Hintergrundwissen und Selbstvertrauen, finde ich es toll, mit den BürgerInnen unserer Stadt in Kontakt zu treten und zu diskutieren.

Und welche Bedenken hast du?
Ich fand es früher oft schwierig, vor Leuten zu stehen und zu reden. Und jetzt mache ich etwas, in dem genau das von mir verlangt wird - das Leben kommt ersten anders und zweitens als man denkt. Aber Frau wächst ja bekanntlich mit ihren Aufgaben. :-)

Wenig Lust habe ich auf große politische Streitereien. Ich bin ein Harmoniemensch, das Machtgehabe der Parteipolitik war mir eigentlich nie so richtig geheuer. Mir geht es um die Sache. Entscheidend ist nicht, wer eine gute Idee hat. Viel wichtiger ist, dass wir sie gemeinsam umsetzen und unser Aachen zukunftsfähig aufstellen. Mich nervt das ständige Gemecker und der Populismus in Deutschland. Dagegen zu sein ist immer leicht, schimpfen kann jeder. Aber wirklich etwas zu ändern, das musst du erstmal hinkriegen. Für mich ist es wichtig, für ein besseres Bild der Politik zu sorgen. Außerdem finde ich es herausfordernd, Menschen zu begeistern für eine Sache. PolitikerInnen sollten mitreißend sein.

Eine Karlsruherin in Aachen: Was hat dich hergezogen und was magst du an der Stadt?
Ich war vor 10 Jahren das erste Mal hier. Ich hatte AachenerInnen auf einem Festival kennengelernt und habe die ein paar Mal hier besucht. Das sind heute meine besten Freunde hier. Nach dem Studium bin ich dann der Liebe wegen her gezogen.

Ich bin froh, dass Aachen eine offene Stadt ist und hier viel mit und füreinander getan wird. Ich mag  die historische Altstadt total, mein Lieblingsplatz ist der Katschhof. Dieses Gefühl von 2000-jähriger Geschichte im Anblick von Rathaus und Dom beeindruckt mich jedes Mal. Karlsruhe ist gerade einmal 300 Jahre alt.

Die naheliegenden Kuhwiesen, den Aachener Wald, die vielen Parks und den Nationalpark Eifel finde ich toll. Eine Toilette für die weiblichen Parkbesucherinnen wäre mancherorts nett. Daran arbeiten wir in der Bezirksvertretung ;)

Und wo kann Aachen noch „eine Schüppe drauflegen“?
Beim Freizeitangebot gibt es noch einiges nachzubessern: Das einzige Freibad in der Stadt platzt aus allen Nähten. Gerade für Familien oder Menschen mit wenig Geld ist das oft in den Sommerferien ein Urlaubsersatz, und wir müssen hier bessere Bedingungen und besseren Zugang schaffen. Auch die freie Kulturszene braucht mehr Unterstützung, so sollten etwa bestehende Angebote wie z.B. der Musikbunker unbedingt erhalten werden. Ich finde es wichtig, dass noch mehr soziale und kulturelle Freiräume in der Stadt geschaffen werden.

Wenn du noch Zeit findest neben Job und Politik, wie verbringst du sie am liebsten?
Meine Leidenschaften sind Fahrradfahren, Surfen, Tanzen und in ferne Länder reisen. Und ich hoffe sehr, dass mir dafür nach wie vor neben der Ratsarbeit noch ein bisschen Zeit bleibt. :-)

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