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19.05.2017

Stadt entwickeln am Burtscheider Viadukt

„Hier sieht man Aachens sprudelnde Vielfalt“, stellen Michael Rau (GRÜNE) und Marc Beus (DIE LINKE) mit einem Augenzwinkern fest. Denn unter dem Deckel fließt nicht nur der Kanal, sondern auch Teilläufe der Wurm.

„Wie am Rhein, nur in klein“:  Gemeinsamer Ratsantrag von GRÜNEN und LINKEN will Aachens „sprudelnde Vielfalt“ hervorholen. Wasser als verbindendes Element der Stadtteile Burtscheid und Frankenberger Viertel. Viadukt städtebaulich aufwerten.

Sie knien auf der Wiese vor dem Café Kurparkterrassen in Burtscheid und deuten auf einen Kanaldeckel: „Hier sieht man Aachens sprudelnde Vielfalt“, stellen Michael Rau (GRÜNE) und Marc Beus (DIE LINKE) mit einem Augenzwinkern fest. Denn unter dem Deckel fließt nicht nur der Kanal, sondern darüber liegend auch – ordentlich in Rohre verpackt – der Warme und Kalte Bach, Teilläufe der Wurm.

Wasser nach oben holen
Im gemeinsamen Ratsantrag „Rahmenplanung rund um den Burtscheider Viadukt“ fordern die planungspolitischen Sprecher beider Fraktionen nun die Offenlegung der Gewässer zwischen Bachstraße und Warmweiherstraße. Das könnte im Zuge einer sowieso notwendigen Maßnahme passieren, denn der Kanal ist marode, eine Sanierung steht an. „Wir wollen mehr von Aachens Bachläufen im Stadtbild sehen“, sagt Ratsherr Rau und ergänzt: „Das Wasser, geführt unter dem Burtscheider Viadukt, kann an dieser Stelle Burtscheid und Frankenberger Viertel wunderbar miteinander verbinden.“

Baudenkmal in Szene setzen
Doch die Offenlegung der Bäche allein greift zu kurz. Deshalb ist der Antrag um andere städtebauliche Aspekte erweitert: „Der Burtscheider Viadukt, der die Grenze zwischen zwei Stadtvierteln markiert, ist nach seiner Sanierung ein echter Hingucker. Man kann ihn aber noch besser in Szene setzen. Durch Wasserläufe, durch eine kunstvolle Beleuchtung des Bauwerks, durch einen angrenzenden Biergarten im alten Busdepot an der Bachstraße – hier könnte ein echtes Herzstück in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, zum Kurgebiet und dem angrenzenden Frankenberger Viertel entstehen“, führt Marc Beus den Antrag inhaltlich weiter aus.

Stadtteile besser verzahnen
Auch etwas oberhalb an der Moltkestraße könne man die Verzahnung der beiden Stadtteile verbessern, etwa durch einen Durchstich unter dem Bahndamm. „Das ist der Schulweg für viele Kinder, die von Burtscheid aus zur Viktoriaschule an der Warmweiherstraße laufen. Hier könnte man eine sichere Verbindung schaffen, vielleicht sogar eine reine Fußgänger- und Fahrradstraße“, meint Michael Rau.

Ein räumlich weit greifendes Konzept, das Wasser, Grün- und Freizeitflächen, neue Wegebeziehungen sowie das Inbezug-Setzen des Baudenkmals Viadukt mit einbezieht, bedeutet an dieser Stelle eine enorme städtebauliche Aufwertung, von der zweifelsohne auch der Burtscheider Kurpark profitieren würde. „Die von uns geforderte Rahmenplanung dient dazu, eine langfristige Perspektive für den gesamten Bereich zu entwickeln. Hier liegt eigentlich ein Schatz, den wir heben sollten“, meint Ratsherr Beus.

Fördermittel rechtzeitig beantragen
Den Blick für städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten haben die beiden Architekten allein schon berufsbedingt: „Man stelle sich vor: Hier, am Rande des Burtscheider Kurgartens, das Wasser plätschert, angrenzende Sitzstufen laden zum Verweilen ein – wie am Rhein, nur in klein“, schmunzelt Michael Rau. Doch der Phantasie muss Aktion folgen, sonst wird es nichts mit dem städtischen Idyll: „Wenn wir in 3-4 Jahren Geld für ein solches Projekt haben wollen, müssen wir jetzt damit starten. Städtebauliche Fördergelder sind möglich, haben aber immer eine gewisse Vorlaufzeit und müssen beantragt werden“, erklärt Beus. „Wir hoffen, dass die Mehrheit aus CDU und SPD die weitreichende Bedeutung dieses Antrags erkennt und ihn mitträgt“, so Rau. „Bislang ist inhaltlich aus der Richtung nicht viel zum Thema Stadtentwicklung gekommen. Wir wollen aber nicht, dass Aachen eine Chance nach der anderen liegen lässt.“

Stark in der Opposition agieren
Abschließend bleibt noch die Frage: Warum ein gemeinsamer Antrag von GRÜNE und LINKEN? Häufig ist das bisher nicht vorgekommen. „Wir haben gerade in der Stadtplanung und auch in der Mobilität häufig einen Konsens. Wenn es fachlich und inhaltlich stimmt, ist es sinnvoll, gemeinsame Anträge zu stellen. Als Opposition muss man gemeinsam versuchen, etwas zu bewegen – das kann zumindest ein starkes Zeichen sein“, sind sich die beiden Planer einig.

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