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16.03.2017

Urbanes Gärtnern gefährdet ihre Gesundheit!

Ein Gast: „Im Insektenhotel am Suermondtplatz übernachte ich nie wieder!! Die ganze Nacht hat eine Hummel nebenan gebrummt, der Service war miserabel und die Preise vollkommen überzogen. Es war kalt und heute früh um 7 lärmten Kinder auf dem Spielplatz nebenan.“

Möchte man einem Bericht der Aachener Zeitung vom heutigen Tage*) folgen, so herrschen lebensbedrohliche Zustände im urbanen Stadtgarten an der Richardstraße. Bei einem Stadtspaziergang haben die Ratsherren Markus Schmidt-Ott und Dr. Ralf Otten (beide CDU) am Kaiserplatz, aber eben auch im Suermondtpark so etwas wie „No Go-Areas“ identifiziert.

Demnach gilt am urbanen Garten des „Hirschgrün“-Vereins offenbar Gefahrstufe ROT, insbesondere für Kinder, Zitat: „Akute Verletzungsgefahr für Kinder“, „völlig aus dem Ruder laufender urbaner Garten“, und – das wichtigste – „kein Zaun“.  Nichts trennt dort also dort den urbanen Dschungel von frei laufenden Kindern, die völlig ungehemmt von Sperrholzmöbeln fallen, von fleischfressenden Kohlstängeln verschlungen oder auf Nimmerwiedersehen im Insektenhotel verschwinden könnten.

Doch das Thema verlangt aus Sicht der GRÜNEN Fraktion natürlich auch einen ernsthaften Kommentar.

„Der Zeitungsbericht ist eine schallende Ohrfeige für die Menschen im Quartier, die sich um ökologischen Anbau und lokale Versorgung inmitten der Stadt bemühen. Die für urbane und naturnahe Lebensqualität sensibilisieren möchten, außerhalb von Schrebergärten und Vereinshäuschen“, empört sich Lisa Lang, wirtschaftspolitische Sprecherin der Aachener GRÜNEN. „Bei dem Gartenprojekt geht es auch um eine sozial verträgliche Ökonomie, zum Beispiel indem man Menschen zeigt, wie man selbst Obst und Gemüse ziehen kann. Gerade die Stadtkinder sind es doch, die hier ganz unmittelbar viel erfahren und erleben können!“

Ökologische Bedeutung von „Urban Gardening“

„In meinen Augen ist es unverantwortlich, solche Gärten zu kritisieren, nur weil es nicht dem „Schönheitsideal“ eines mit der Nagelschere polierten Gartens entspricht“, ergänzt Kaj Neumann, umweltpolitischer Sprecher der Aachener GRÜNEN. „Umgegrabene Beete und krumme Bohnenstangen passen vielleicht nicht in das Stadtbild einer jeden Partei, aber der Wert des Gartens ist hoch: So sind zum Beispiel die Bienenstöcke enorm wichtig. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist die Population der Bienen dramatisch zurückgegangen. Sie sind aber unverzichtbar für das Gleichgewicht unsers gesamten Ökosystems.“

Bestehende Verträge bleiben selbstverständlich gültig

„Das Projekt urbanes Gärtnern ist ein wichtiger Teil des Gesamtkonzepts Suermondt-Park und muss natürlich an dieser Stelle erhalten bleiben“, sagt Sabine Göddenhenrich. „Das steht ja auch gar nicht zur Debatte. Erst im November 2015 hat die Stadt einen neuen unbefristeten Vertrag mit dem Verein Urbane Gemeinschaftsgärten Aachen e.V. geschlossen. Wir GRÜNE unterstützen den Verein Hirschgrün und das dahinter stehende Konzept des urbanen Gärtnerns, zum Beispiel durch unseren Ratsantrag „Stadtgärten in Aachen“. Hier fordern wir die Verwaltung auf, das Prinzip der „Urbanen Landwirtschaft“ in die gesamte Freiraumplanung einzuarbeiten. Dabei soll Bürgerengagement ausdrücklich gefördert und mit eingebunden werden.“

Wichtiger Ort der Begegnung für Menschen

Kaj Neumann sieht noch andere förderliche Aspekte:„ Das Stadtgärtnern beinhaltet auch einen wichtigen sozialen Aspekt: Die Menschen kommen sich näher, es finden Begegnungen statt, die sonst keinen Raum haben. Die öffentlichen Nutzpflanzen zeigen außerdem, wie man sich gesund ernährt und steigern die Wertschätzung für regionale Lebensmittel.“

*) Aachener Zeitung, 16.03.2017 (Bezahlinhalt): „Kaiserplatz: Trinker mit Klassik vertreiben. CDU will mit Musikbeschallung rund um das Reiterdenkmal die Problemszene befrieden. Gefahren für Kinder im Suermondtpark.“ Von Robert Esser.

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