Das Gutachten der Bundesregierung zur Atomlaufzeitverlängerung hat eine vergleichbare Glaubwürdigkeit wie einst die Berichte zur Planerfüllung in der DDR. Selbst das Umweltministerium spricht inzwischen von haarsträubenden Fehlern bis hin zur direkten Manipulation. Wenn Angela Merkel beim Koalitionsgipfel am Sonntag auf diesem Gutachten eine strategische Entscheidung zur deutschen Energiepolitik gründen will, dann ist das der Gipfel der Verantwortungslosigkeit.
Das Gutachten konstruiert Extremfälle bei den Kosten für Privathaushalte, um Klimaschutz und die Umstellung der Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien als Kostentreiber zu diskreditieren. Der langfristige Nutzen dieser Maßnahmen fällt bei der Kalkulation dagegen
unter den Tisch. Gleichzeitig werden die Kosten für die Nachrüstung der Atomkraftwerke deutlich zu niedrig berechnet. Das Atomgutachten ist ein Gefälligkeitsgutachten für die Atomkonzerne, erarbeitet zum Teil mit dem Geld der Atomindustrie. Auf dieser potemkinschen Grundlage ist das angekündigte Energiekonzept von Schwarz-Gelb das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wird.
(Erklärung der Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Claudia Roth, zur Bewertung des Energiegutachtens der Bundesregierung durch das Bundesumweltministerium)
Die Unabhängigkeit der Gutachter muss bezweifelt werden. Eines der drei beauftragten Institute, das Energiewirtschaftliche Institut in Köln (EWI) wird von E.ON und RWE massiv mitfinanziert. Die Atomkonzerne sitzen quasi also mitten drin im Gutachterkreis.
Aktuelle Zeitungsmeldungen zum Thema
Zeit: Umweltministerium kritisiert Energiegutachten
Süddeutsche Zeitung: Umweltministerium rügt Merkels Atom-Gutachten








