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16.02.2017

Der „Oecher Becher“ – GRÜNE fordern Pfandsystem für Mehrwegbecher

Ratsantrag der Aachener GRÜNEN greift Idee aus Freiburg auf. Dort werden Heißgetränke in mittlerweile rund 70 teilnehmenden Cafés und Bäckereien in einem einheitlichen Leihsystem ausgeschenkt. Tendenz steigend. Flexibel, verbraucherfreundlich und gut für die Umwelt.

Es gibt Tage, da ist Hilde Scheidt eng getaktet und eilt von Termin zu Termin durch die Stadt. „Unterwegs einen Kaffee zu trinken, das kann sehr belebend sein“, meint Aachens GRÜNE Bürgermeisterin. Doch ein üblicher „Coffee to go“ im Wegwerfbecher kommt für sie nicht in Frage: „Der Wahnsinnsmüll, der durch Einwegbecher produziert wird, ist absurd. Das belastet unsere Umwelt in hohem Maße.“

Deutschlandweit nimmt der Verzehr von Mitnehm-Getränken zu. Derzeit werden 320.000 Einwegbecher stündlich (!) verbraucht – pro Jahr fast drei Milliarden. Die Herstellung benötigt zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter Wasser, der Energiebedarf für die Produktion entspricht dem Jahresverbrauch einer Kleinstadt. Eine Alternative ist, den eigenen Becher mitzuführen. Doch der ist nicht immer griffbereit und wird in vielen Läden und Cafés auch nicht akzeptiert. Bleibt also nur der Verzicht?

Flexibel, verbraucherfreundlich und gut für die Umwelt
Verzicht muss nicht sein, denn es gibt Alternativen: Freiburg beispielsweise hat zusammen mit ortsansässigen Cafés und Bäckereien als eine der ersten Städte deutschlandweit ein Pfandsystem für Mehrwegbecher entwickelt. Das System funktioniert so einfach wie überzeugend: „Die Stadt hat Kunststoff-Becher herstellen lassen und stellt diese den Partnern zur Verfügung“, erklärt Hilde Scheidt. „Gegen 1 EUR Pfand kann der Kunde seinen Kaffee im Mehrwegbecher in Bäckerei X kaufen, auf dem Weg von A nach B trinken und in Café Y wieder abgeben. Hier bekommt er sein Pfand zurück.“

Eine App mit den teilnehmenden Betrieben kann den Nutzern eine einfache Orientierung geben, wo Kaffee im Mehrwegbecher gekauft und wo der Becher wieder abgegeben werden kann. Mit einem Netz an Partnern und einer Kennzeichnung der Geschäfte – etwa durch Aufkleber „Hier gibt’s den OECHER BECHER“ – ist Mehrweg einfach umsetzbar. Das Stadtbild und die Umwelt dankt es.

Reif für mehr Mehrweg – GRÜNER Ratsantrag gibt Starthilfe
Angeregt von Hilde Scheidt fordert nun ein GRÜNER Ratsantrag, ein entsprechendes Pfandsystem unter Federführung der Stadtverwaltung für Aachen einzuführen. Es funktioniert prima, wie Freiburg zeigt: Durch den großen Zuspruch weitet die Stadt derzeit ihr Mehrweg-Netz auf Stadtbezirke aus und nimmt große Partner wie Mensen und die Uniklinik mit ins Boot.

In Freiburg ist die Zahl der beteiligten Betriebe seit Einführung des Systems von 16 auf 65 gestiegen. Das Projekt ist innerhalb weniger Monate zum „Renner“ geworden. „Dies wünschen wir uns auch für Aachen“, sagt Hilde Scheidt und ergänzt: „Wir haben unseren Antrag vorab an einige Cafés, Bäckereien und Fairtrade-Läden kommuniziert, um zu hören, auf welche Resonanz er stößt. Die Reaktionen sind sehr positiv: Von „viel sinnvoller als Einzellösungen“ über „wir sind aufgeschlossen für die Idee und machen mit!“ bis hin zu „Das war schon oft Thema in unserer Innung – wir unterstützen das Projekt“. Das zeigt uns, dass die Zeit für ein solches System in Aachen mehr als reif ist.“

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