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20.01.2016

Modellprojekt – Einzelhandel und digitalen Handel zusammenführen

Ratsantrag 2/2016

Die Fraktion der GRÜNEN beantragt, im Rat der Stadt Aachen folgenden Beschluss zu fassen:

Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, das durch Einsatz digitaler Technologien den örtlichen Einzelhandel unterstützt, den Einkaufsstandort Aachen und insbesondere die innerstädtischen Einkaufsgebiete stärkt und ihn durch technologische Innovation gegenüber anderen Standorten profiliert.

1.) Dieses Konzept soll gemeinsam mit dem Einzelhandel und seinen Organisationen, IHK und Handwerkskammer entwickelt werden. Auch die Aachener Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen intensiv einbezogen werden.

2.) Ein Element des Konzepts soll ein regionaler/lokaler Onlinemarktplatz sein, der stationären Handel und Online-Handel zum Multi-Channel-Vertrieb verknüpft.

3.) Ein weiteres zentrales Element soll die Attraktivierung der Geschäfte selbst sein. Dafür können innovative Anwendungen, die auf digitaler Technologie basieren, zum Einsatz gebracht werden, z.B. in den Bereichen Werbung, Information, Beratung, Warenpräsentation und -produktion. Geschäfte mit innovativen Ausstattungen, die neue Einkaufserlebnisse ermöglichen, können die Attraktivität Aachens als Einkaufsstandort verbessern, diesem ein eigenes Profil geben und die Stadt als Vorreiter für „smarte“ und auch experimentelle Einzelhandelskonzepte etablieren.

4.) Das Konzept wird abgerundet durch eine intelligente, kundenfreundliche und möglichst emissionsfreie Citylogistik (z.B. auf Basis von elektromobilen Fahrzeugen wie e-Lastenrädern oder e-Kleintransportern).

5.) Das Konzept soll zeitnah bei der Landesregierung oder anderen Projektträgern als Modellprojekt angemeldet werden. Die Landesregierung fördert aktuell in jedem Regierungsbezirk ein Modellprojekt „Regionaler Onlinemarktplatz“.

Begründung

Aachen ist als „Stadt der Wissenschaft“ prädestiniert; sich durch die Verknüpfung zwischen Einzelhandel und digitalem Handel mit Hilfe innovativer Technologien als Vorreiter für einen innovativen stationären Einzelhandel zu positionieren und damit die Stadt zukunftsfähig aufzustellen und Wirtschaftskraft, Attraktivität und Lebensqualität zu stärken. Aachen kann damit – zumindest für eine Zeitlang – auch ein starkes Alleinstellungsmerkmal gewinnen.

Ein Beispiel für Innovation im Einzelhandel ist die individuelle Produktion vor Ort durch den Einsatz von 3D-Druckern bei maßgeschneiderten Objekten aller Art (2015 wurden Prototypen für „gedruckte“ Skischuhe auf einer Fachmesse vorgestellt). Im Fab Lab der RWTH Aachen werden zahlreiche innovative Produktionstechnologien mit Werkzeugen wie 3D-Druckern erforscht. Die FH Aachen hat zusammen mit einem Aachener Optiker auf der Hannover Messe 2015 gezeigt, wie die individuelle Produktion von Brillengestellen mit 3D-Druckern funktioniert. Schon dieses Beispiel zeigt, dass es auch vor Ort zu diesem Thema hohe Kompetenz gibt.

Weitere Beispiele für aktuelle Konzepte zur Stärkung des Handels im Geschäft vor Ort, wie etwa die Weiterentwicklung der Nutzung von QR-Codes, das Mobile Shopping inklusive mobiler Bezahlmöglichkeiten, virtuelle Anproben und andere oft schon verfügbare Möglichkeiten, fasst ein Beitrag im Onlinemarketing-Blog der IHK anschaulich zusammen:

Als Reaktion auf den wachsenden Onlinehandel setzt der stationäre Einzelhandel zunehmend auf Multi-Channel Vertrieb. Dieser bündelt Angebote verschiedener Verkaufskanäle, wie lokales Ladengeschäft, Online-Shop, Katalog oder mobiler Vertriebsweg. Lokale Anbieter aus Einzelhandel und örtlicher Lieferlogistik schließen sich zu einem Online-Marktplatz zusammen. Beispiele dafür gibt es etwa in Wuppertal und Mönchengladbach, Ansätze auch in Aachen. Der Multi-Channel Vertrieb über einen regionalen Online-Marktplatz bietet auch für Aachen Chancen.

Der Wandel hin zu „smarten“ Verkaufskonzepten, die maßgeblich für die Stärkung und Stabilisierung des Einzelhandels, aber auch bedeutsam für eine lebendige Innenstadtentwicklung sind, wird am Anfang Unterstützung benötigen. Insbesondere für den alteingesessenen, inhabergeführten Einzelhandel ist dies eine große Herausforderung, die ohne Hilfe und Beratung schwer geleistet werden kann. Deshalb sollte die Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen in den ersten Jahren ein solches Projekt federführend betreuen und begleiten.
    
Ulla Griepentrog          Lisa Lang
Fraktionssprecherin     wirtschaftspolitische Sprecherin

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