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24.11.2016

„Runder Tisch“ Citylogistik

GRÜNER Ratsantrag 30/2016 vom 14. November 2016

Die Fraktion der GRÜNEN beantragt, im Rat der Stadt Aachen folgenden Beschluss zu fassen:

Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft/Handel (IHK), Logistikern/Spediteuren und Verkehrs- und Logistikexperten der Aachener Hochschulen einen „Runden Tisch“ zum Thema Citylogistik zu etablieren. Bei regelmäßigen Treffen sollen neue Ideen für ein umweltfreundliches Lieferkonzept innerhalb des Aachener Stadtgebiets entwickelt werden.

Begründung

Die Lieferverkehre in unserer Innenstadt wachsen stetig, zum einen durch den Onlinehandel, zum anderen bieten auch Aachener Händler zunehmend Onlineshops und die Möglichkeit der Anlieferung nach Hause an. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Verkehrswege (verstopfte Straßen, Halten von Lieferfahrzeugen in zweiter Reihe oder auf Fuß- und Radwegen, Anlieferungen in Fußgängerzonen außerhalb der Ladezeiten), sondern beeinflusst auch die Aachener Luftqualität negativ.

Neben der Elektrifizierung der Busflotte wäre eine möglichst CO2-neutrale und emissionsarme Citylogistik ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung des Aachener Luftreinhalteplans. Auch für die Logistiker ist ein gemeinsames Transport-Konzept in der Stadt von Interesse, denn die so genannte ‚letzte Meile‘, der letzte Abschnitt, den die Ware zum Kunden zurücklegt, ist für sie sehr kostenintensiv.

Ende der 1990er wurde in Aachen der bisher einzige Versuch gemacht, eine gemeinsame Logistikplattform zu etablieren: CLaix CityLogistik Aachen. Was sich vielversprechend anließ, scheiterte an dem sukzessiven Ausstieg der einzelnen Akteure zugunsten von Einzellösungen. Um 2007 wurde das Projekt endgültig eingestellt. Nach zehn Jahren und unter veränderten Vorzeichen (Umweltzone, weiterhin hohe Schadstoffbelastung der Luft, zunehmende Lieferverkehre) ist die Zeit reif für einen neuen Versuch.

Dabei sollen moderne Technologien wie Elektromobilität bei Kfz und Lastenrädern (wie in Aachen bereits teilweise eingesetzt bei DHL/Streetscooter und CLAC Citylogistik) in die Planungen einbezogen werden. Auch sollen Schnittstellen zu bestehenden Projekten errichtet und Synergien genutzt werden. Beispiele für solche Projekte wären smart emma, aachen-shopping.de oder Förderprojekte des Landes NRW zur Verknüpfung von stationärem und digitalem Handel. Aktuell gibt es ein Förderprogramm der Landesregierung NRW „Kommunaler Klimaschutz.NRW“. Ein Konzept zu emissionsarmer Citylogistik kann ein wichtiger Baustein für eine Projektskizze sein, um sich im Rahmen des Programms um entsprechende Fördermittel zu bewerben.

Auch das wissenschaftliche Know-how in der Region sollte genutzt werden: Forschungseinrichtungen und Institutionen wie das Cluster SmartLogistik an der RWTH Aachen können wertvollen Input beisteuern.

Wie Citylogistik geht, zeigen andere Städte: Bremen und Utrecht sind gelungene Beispiele dafür, wie Liefersysteme emissionsarm funktionieren – etwa durch Umladestationen oder durch stärkere Restriktionen und Kontrollen. Politische Vorgaben sind an dieser Stelle oft hilfreich, um ein Umdenken sowohl im Handel als auch bei den großen Logistikdienstleistern zu erreichen.

In Nürnberg haben sich zwei große Lieferdienste zusammengeschlossen und ein gemeinsames Warendepot eröffnet. Von dort aus werden die Pakete per e-Lastenrad in den engen Innenstadtgassen – vergleichbar mit Aachen – geräuscharm, platzsparend und abgasfrei ausgeliefert. Etwa 50-80 % der Transporte in Aachen könnten statt mit dem Dieseltransporter per Lastenrad bewegt werden. Transporte mit bis zu 100 kg Gewicht und 200 l Volumen sind bereits heute problemlos möglich.

Ulla Griepentrog                                 Wilfried Fischer
Fraktionsvorsitzende                          mobilitätspolitischer Sprecher

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