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04.06.2009

Bildungslandschaft statt Gesamtschule?

Der Geschäftsführer der GRÜNEN Ratsfraktion Helmut Ludwig zu den Äußerungen des Regierungspräsidenten Hans Peter Lindlar in den Aachener Medien:

„Der Regierungspräsident Hans Peter Lindlar hat in der Presse mit starken Worten in Richtung Aachener Stadtrat die Bildung einer Vierten Gesamtschule abgelehnt. Der Regierungspräsident muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, wie aus seiner Sicht konkret die Probleme der Aachener Schullandschaft angegangen werden sollten. Die Forderung nach einer Bildungslandschaft Aachen - Ost klingt dabei eher wie ein beherztes „Weiter so“ und gibt keine Antwort auf die Frage, wie wir dem starken Elternwunsch nach weiteren Plätzen an Gesamtschulen nachkommen können, wie wir den Abiturabschluss im Aachener Osten langfristig sichern können und wie das in allen Schulformen vorhandene Überangebot mittelfristig sinnvoll reduziert werden kann. Wir werden in Aachen in wenigen Jahren ca. 1800 Schülerinnen und Schüler weniger an Gymnasien (= 1,5 Schulen) haben und die Zahl der Hauptschulen mindestens halbieren müssen. Vor diesen Fakten wollen und können wir nicht die Augen verschließen.

Der Regierungspräsident hat – wie wir der Presse entnehmen – baldige Gespräche mit der Aachener Politik angekündigt. Auch wenn Herr Lindlar der großen Mehrheit des Rates „laienhafte Kenntnis der Schulsituation“ vorwirft, stehen die Fraktionen für konstruktive Gespräche zur Verfügung. Schließlich sind es die Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN gewesen, die immer wieder gegenüber der Bezirksregierung und der Landesregierung den Wunsch geäußert haben, in direkten Gesprächen die Möglichkeit der Umsetzung des geplanten Ratsantrags zur Errichtung einer Vierten Gesamtschule auszuloten.  Nun scheint es ja wenigstens so zu sein, dass auch auf Seiten des RP die Notwendigkeit zügiger Gespräche gesehen wird.

Bevor die drei Fraktionen kurz vor Ostern den Ratsantrag gestellt haben, gab es ein Gespräch der Verwaltung bei der Bezirksregierung, um die Möglichkeiten der Genehmigung von Verbundschulen oder Sekundarschulen und deren verstärkter Kooperation mit Gymnasien mit Blick auf den Aachener Osten zu erörtern. Damals hatte die Bezirksregierung gegenüber der Stadtverwaltung deutlich gemacht, dass es solche Verbünde und Kooperationen allenfalls im ländlichen Raum geben könne und in Aachen bestenfalls die Gründung einer weiteren Gesamtschule möglich sei. Aus der Schlussfolgerung heraus, dass die Vierte Gesamtschule der einzige gangbare Weg sein würde, noch vor 2012 eine Weiterentwicklung der Aachener Schullandschaft zu erreichen, haben die Fraktionen den Antrag auf Errichtung einer Gesamtschule im Ganztagsbetrieb als Stadtteilschule mit einem besonderen pädagogischen Profil und Angebot gestellt.

Beim jüngsten Erörterungstermin bei der Bezirksregierung hat die Schulverwaltung dann auch positive Signale der Unterstützung für die Errichtung der neuen Schule erhalten. Die Fraktionen haben in den vergangenen Wochen mehrfach mit allen betroffenen Schulen, Lehrerräten und Schulpflegschaften zusammen gesessen und für eine konkrete Zusammenarbeit bei der Entwicklung pädagogischer Konzepte für die Schullandschaft in Aachen-Ost mit dem Ziel der Bildung der Gesamtschule geworben.

Wenn uns Herr Lindlar nun unseren ursprünglichen Ansatz der Bildung eines Kooperationsverbundes der Schulen zur Entwicklung einer Stadtteilschule oder die Gründung von Verbundschulen empfehlen möchte, fordern wir ihn auf, dies möglichst noch in der nächsten Woche in konkreten Gesprächen zu tun.

Die Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN legen noch einmal Wert auf die Feststellung, dass auch sie die Arbeit der Hauptschule Aretzstraße, aber auch der Realschule und des Gymnasiums im Ostviertel sehr schätzen. Die neue Gesamtschule sollte ja gerade eine Weiterentwicklung der guten Konzepte der Schulen sein. Wenn auch der Regierungspräsident im Besonderen die Hauptschule Aretzstraße erhalten und keine Veränderung der Aachener Schullandschaft möchte, werden die Fraktionen dennoch nicht untätig bleiben.

Wir wollen nach wie vor den 250 Kindern, die an den Aachener Gesamtschulen nicht aufgenommen werden konnten, eine Alternative bieten.“

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