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03.03.2015

Deutlich mehr Risse in belgischen AKWs als vermutet

Oliver Krischer MdB am 26.2.15 zum Thema Risse in belgischen AKWs:

Im Sommer 2012 sind in den belgischen Atomkraftwerken Doel-3 und Tihange-2 zahlreiche Risse im Grundmaterial der geschmiedeten Reaktordruckbehälter festgestellt worden. Die belgische Aufsichtsbehörde Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle (FANC) überprüfte die Risse und beschloss im Frühjahr 2013 trotz verbliebener Fragen, dass ein Weiterbetrieb der beiden Anlagen aus ihrer Sicht dennoch möglich sei und ließ diesen ab Mai 2013 wieder zu. Nachdem Anfang 2014 jedoch weitere Untersuchungsergebnisse vorlagen, die einen Weiterbetrieb auch aus Sicht der FANC unverantwortlich machten, stehen die beiden Problemmeiler seit Ende März 2014 wieder still. Allerdings arbeitet der Betreiber nach wie vor darauf hin, die beiden AKWs wieder anfahren zu dürfen. Bis Sommer 2015 will die FANC darüber entscheiden.

Ein Weiterbetrieb birgt nicht nur für die Menschen in Belgien unbeherrschbare Risiken, sondern auch für den Westen Deutschlands. Denn die belgischen Atomkraftwerke liegen nur etwa 70 km von der deutschen Grenze entfernt. Wir Grünen, viele ExpertInnen und AktivistInnen hatten auch deshalb die 2013er Entscheidung des Wiederanfahrens scharf kritisiert. Der Druck hatte gewirkt: Er führte zu weiteren Untersuchungen, denen es zu verdanken ist, dass die Anlagen seit März 2014 wieder abgeschaltet sind.

Am Freitag, den 13.2.2015 gab der Chef der FANC Jan Bens bekannt, dass in den Reaktordruckbehältern deutlich mehr Risse gefunden worden sind, als bisher bekannt war. Eine neue Analyse habe ergeben, dass sich in den stählernen Behältern, die das Herzstück eines Atomreaktors bilden, nicht 10.000, sondern mehr als 16.000 feine Risse befinden. Gegenüber dem öffentlichen belgischen Fernsehsender VRT äußerte Bens zudem eine eindringliche Warnung an andere Länder. „Das ist möglicherweise ein weltweites Problem für den ganzen Nuklearsektor“, sagte er. „Wir haben unsere internationalen Kollegen bereits informiert und beraten“.

Die Grüne Bundestagsfraktion hat daraufhin sofort um einen Bericht der Bundesregierung im Umweltausschuss des Bundestages gebeten. Dort wurden heute die alarmierenden Fakten in den belgischen Problemmeilern bestätigt. In Deutschland wird aktuell weiter untersucht, ob derartige Risse ebenfalls auftreten könnten, alle bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass die neun verbleibenden AKWs nicht dieses Problem haben. Zudem wurde aber auch das Versagen der belgischen Atomaufsicht deutlich. Darüber darf auch die Warnung von FANC-Chef Bens nicht hinwegtäuschen.

Für uns Grüne ist klar: Die belgischen Atomkraftwerke gehören endgültig abgeschaltet. Alles andere ist nicht zu verantworten. Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland werden dem Risiko eines GAU ausgesetzt. Es ist empörend, dass die schwarz-rote Bundesregierung viel zu wenig unternimmt, sich bei der belgischen Regierung für eine Stilllegung der Schrottreaktoren einzusetzen. Sie muss endlich mit der belgischen Regierung nach kurzfristigen Lösungen suchen, wie auch ohne Atomkraftwerke – etwa durch den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren und mehr Energieeffizienz – die Stromversorgung in Belgien sichergestellt werden kann.

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