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29.06.2010

Diskussionsveranstaltung zur Prostitution in Aachen

Gestern Abend fand die Diskussionsveranstaltung der GRÜNEN zum Thema Prostitution in Aachen statt.

Wir, Anna und Mia, Praktikantinnen im GRÜNEN Parteibüro, waren natürlich dabei und haben fleißig Notizen gemacht, um Sie über die Veranstaltung zu informieren.

In der Einführung wurden die Fachleute auf dem Podium vorgestellt und Leitfragen formuliert. Die Diskussion sollte ergebnisoffen verlaufen und die Bürger über die Situation der Prostituierten in der Antoniusstraße, das dortige Arbeitsumfeld und die möglichen Aktionen zur Aufwertung der Gegend informieren.

Mechtild Eickel vom Verein  Madonna e. V. aus Bochum, der sich um die Beratung und Hilfe von Prostituierten kümmert und auch über das Internet in ganz NRW den Prostituierten als Beratungsstelle zur Verfügung steht, beginnt mit einem kurzen Vortrag . Sie war vor einer Woche in Aachen und hat sich die Antoniusstraße – von außen – angeschaut und schildert nun ihre Eindrücke und vergleicht diese mit der Situation in Bochum.

Sie berichtet, dass die Beratungsstelle von Madonna e.V. in Bochum direkt vor Ort in der Bordellstraße ansässig ist. Die Lage der Straße in Bochum ist nach ihren Eindrücken ähnlich wie in Aachen, denn sie befindet sich in Bochum ebenfalls in der Innenstadt und ist die einzige Straße innerhalb eines Sperrbezirks, wo Prostitution legal betrieben werden darf. Mechtild Eickel erklärt, wie die Prostitution organisiert wird. Die Frauen erkundigen sich, ob beispielsweise in der Antoniusstraße noch Zimmer frei sind. Dies geschieht meist telefonisch. Die Mieten belaufen sich in Bochum sich auf 100- 140 Euro pro Nacht für ein Zimmer. Sie erzählt, dass viele Ausländerinnen in der Prostitution tätig sind und diese häufig noch nicht gut Deutsch sprechen und auch nicht ausreichend über ihre Rechte informiert sind. Außerdem haben sie häufig noch keinen Kontakt zu anderen Prostituierten. Dies führt dann dazu, dass sie oftmals zu niedrige Preise nehmen, weil sie keine Vorstellung von den Preisen in Deutschland haben und teilweise auch ohne Schutz arbeiten und Praktiken anbieten, die sie eigentlich gar nicht vornehmen wollen. Dadurch verändern sich auch die allgemeinen Preise und für die Frauen wird es noch schwerer das Geld für die Miete einzunehmen. Frau Eickel berichtet auch vom 2002 verabschiedeten Prostitutionsgesetz, welches die Prostitution in Deutschland legalisiert und es den Frauen mittlerweile möglich macht ihr Entgelt einzuklagen.

Als letztes erläutert sie die Wünsche der Prostituierten. Die Frauen wünschen sich, dass die Mieten nicht weiter steigen und dass die Regeln der Prostitution anderen Berufen ähneln. Des weitern soll es größere Räume mit Tageslicht, bessere Sanitäreinrichtungen, gute Werbung, ausreichend Arbeitsmittel und die Möglichkeit des Austauschs von Informationen mit anderen Prostituierten geben.

Als nächstes informiert Herr Lemper, Kriminaloberrat der Polizei in Aachen über die Situation in Aachen. Erst macht er darauf aufmerksam, dass viele seiner Informationen nicht sicher sind und sich aus vielen Teilinformationen zusammensetzen. In der Antonisstraße stehen 30 Häuser, in denen Prostitution betrieben wird. In jedem dieser Häuser soll es zwischen fünf und zwölf Zimmer geben, von welchen ca. drei bis vier Zimmer ausgelastet sind. Insgesamt soll in 15 Wohnungen und 10 Bars und Clubs in Aachen Prostitution stattfinden. Laut Polizei gibt es zwischen 250 und 300 Prostituierte in Aachen. Die Zimmermiete kostet in Aachen pro Nacht etwa 100 Euro. Außerdem müssen pauschal 15 Euro Gewerbesteuer pro Tag an den Hauswirt entrichtet werden. Der Durchschnittspreis für die Dienste der Prostituierten pro Freier liegt bei ca. 30 Euro.

Heutzutage kommt der Großteil der Prostituierten aus Osteuropa, Afrika z.B. Nigeria und aus Asien z.B. Thailand. Das Alter von ¾ der Prostituierten beträgt etwa ca. 20 Jahre. Es gibt jedoch auch ältere Frauen. Ein hoher Anteil der Freier kommt nach Angaben der Polizei aus dem umliegenden Grenzland, besonders aus Belgien. Es wird vermutet, dass dies auf das drastische Vorgehen gegen Freier und Prostituierte in Lüttich zurück zu führen ist. Nach den allgemeinen Informationen der Polizei über die Antoniusstraße geht der Kriminaloberrat auf die Kriminalität und die Maßnahmen der Polizei gegen diese ein. Er berichtet von 10 polizeilichen Einsätzen pro Monat. Letztendlich stößt die Polizei bei etwa 20 Einsätzen pro Jahr auf Kriminalität. Die Kriminalität ist demnach geringer als vermutet. In Bezug auf Zwangsprostitution sagt Herr Lemper, dass der Statistik zufolge diese sehr selten in Aachen vorkommt. Doch er spricht von einem Dunkelfeld, das von der Polizei nicht erfasst werden kann. Die Statistik besagt, dass es nur eine Hand voll Ermittlungsverfahren im Bereich der Zwangsprostitution in Aachen gibt.

Im Anschluss an die Ausführung geht Gisela Nacken, die Planungsdezernentin der Stadt Aachen, auf die Stadtentwicklung am Büchel ein. Das Ziel ist, dass das Parkhaus Büchel für das Kaufhaus „bel etage“ weichen soll. Außerdem hat Herr Falter, der Unternehmer der Mayerschen Buchhandlung, ein Randgrundstück der Antoniusstraße gekauft, mit dem Ziel das Viertel aufzuwerten und dort mehr Einzelhandel aufzubauen. So kam es dazu, dass man über eine Vergrößerung des Sperrgebiets und demnach eine Reduzierung der Prostitution in der Antoniusstraße sprach.

Nach Ansicht der GRÜNEN darf dies aber nur erfolgen, wenn es für die Prostituierten eine sichere und auch komfortablere Ausweichmöglichkeit gibt. Hier ist die Idee eines Laufhauses, welches leichter zu kontrollieren ist und somit ein möglichstes Maß an Sicherheit mit sich bringt, als Alternative zur Antoniusstraße zu diskutieren. Ein Laufhaus ist ein Bordell in welchem die Freier an den geöffneten Türen der Prostituierten vorbeilaufen, sich mit diesen unverbindlich unterhalten und eventuell die Dienste der Frauen in Anspruch nehmen, wie zum Beispiel im Pascha in Köln.

Auch war es eine Idee Sichtschutzwände an den Eingängen der Straße aufzustellen, um Kinder und Touristen davor zu schützen, sich in die Antoniusstraße zu verirren. Darauf antwortete Herr Lemper jedoch, dass diese Idee auf polizeilicher Seite nicht tragbar ist, da die Wände die Durchfahrt für die Polizei erschwert.

Nach den drei Vorträgen der Fachleute durfte nun das Publikum Fragen stellen und mitdiskutieren. Der Ratssaal war mit fast 100 Menschen gut besucht. Am Ende lobte Frau Eickel die Diskussion für ihren Verlauf. Sie habe eine solch sachliche und offene Diskussion über dieses Thema selten erlebt. Die Beteiligten waren sich auch einig, dass keine Lösung gefunden werden kann, solange sich die Frauen selbst und die Hausbesitzer nicht in die Diskussion einschalten. Denn nur so kann zukünftig die Sanierung der Häuser und Verbesserung der Räumlichkeiten organisiert und somit auch die Situation der Frauen verbessert werden. Es wird jedoch noch ein langer Weg sein bis eine Lösung gefunden ist, doch der erste Schritt ist mit dieser Diskussionsveranstaltung vollbracht.

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