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28.11.2014

Rheinland oder Ruhrpott? Beides!

Marietheres Mimberg ist seit Oktober Beisitzerin im Parteivorstand der GRÜNEN OV Aachen. Sie arbeitet als selbstständige Beraterin und Trainerin für Unternehmen und ist seit langer Zeit mit den Themen Frauen und Soziales bei den GRÜNEN aktiv.

Marietheres, Butter bei die Fische: Alt-Öcherin oder neu ins Rheinland eingewandert?

Das hängt vom Blickwinkel ab! Ich bin 53, die ersten 19 Jahre habe ich im Ruhrgebiet gelebt, die letzten 34 Jahre hier in Aachen. Rein quantitativ also Alt-Öcherin. Aber es ist einfach beides da: hier im Rheinland fühle ich mich schon mal als Ruhrpottlerin, im Ruhrgebiet als Rheinländerin. Das Ruhrgebiet, die spezielle Art und Weise des Miteinanders dort möchte ich nicht missen und finde es heute auch noch schmunzelnd in großen Teilen in mir.

Was gefällt Dir an Aachen und der Euregio besonders?

Aachen ist eine schöne, internationale Stadt: nicht zu groß, nicht zu klein, abwechslungsreich, mit viel Programm. Aachen ist grün, jeck, jung, international, studentisch. Eigentlich ist alles da. Und was nicht da ist, ist nicht weit weg. Kurz gesagt: Aachen ist klüngelig, überambitioniert, europäisch, historisch, gemütlich – und deshalb mag ich Aachen.

Was hat dich hierher verschlagen als ursprüngliche „Ruhrpöttlerin“?

Ich bin 1961 in Bottrop geboren, aufgewachsen in Gladbeck – als gut behütetes Wunsch-Mädchen in einer Familie, in der äußerst viel und laut diskutiert wurde. Neben dem vielen Reden war meine Jugendzeit durch Leistungssport (Schwimmen), Jugendarbeit und Lernen auf einem Mädchengymnasium geprägt.

Studiert habe ich dann in Aachen und Köln Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Psychologie auf Diplom. Ich war eine der wenigen, die noch als Diplom-Pädagogin eine Stelle bekommen haben und habe in den Bereichen der Bildungsplanung, -vermittlung und Konzeptionierung gearbeitet: mit und in allen sozialen Bildungsschichten und auch immer mehr in leitenden Funktionen.

Womit beschäftigst du dich heute?

Durch meine Arbeit und durch viele Fortbildungen u.a. mit Blick auf Geschäftsführung hat sich für mich eine organische Entwicklung ergeben: Systemische Zusammenhänge zu erkennen, Beratungen ohne Ratschlag zu geben und Selbstständigkeit als Berufsweg. All das lief letztlich auf eine Zusatzausbildung zum systemischen Coach hinaus. Seit einigen Jahren betreibe ich ein Coaching-Unternehmen und außerdem zusammen mit einer Kollegin seit diesem Jahr ein Beratungsinstitut mit Schwerpunkt auf Teambuilding.

Bleibt da noch Zeit für Hobbies?

In meiner Freizeit treibe ich Sport (sehr viel), lese (eigentlich immer), bin sehr musikbegeistert (manchmal auch zu laut) und absolut gern mit Menschen zusammen. Freunde sagen schon mal über mich, dass ich am liebsten alles gleichzeitig machen würde. Ich liebe es, neue Menschen kennen zu lernen, bin aber auch sehr froh, noch einen engen und wertschätzenden Kontakt zu „alten“ Schulfreundinnen zu haben.

Und nun eine weitere neue Station, als Beisitzerin im Parteivorstand. Warum hast du dich beworben?

Ich bin wohl eine von den „Spätzünderinnen“ in Bezug auf die Übernahme einer offiziellen Funktion in einer Partei. Mitglied bei den GRÜNEN bin ich bereits seit Januar 1997, das ist eine logische Folge aus meiner Auseinandersetzung mit Fragen zu Frauen- und Sozialpolitik.

„GRÜN“ deshalb, weil ich immer mit ähnlich orientierten Menschen über Lebensbedingungen nachdenken wollte und versuchen möchte, etwas zu verändern: Zum Beispiel, dass in unserem Land immer noch das Geschlecht, die gesellschaftliche Schicht, die sexuelle Identität oder der Herkunftshintergrund hauptsächlich entscheidet, ob sich ein Mensch seinen Fähigkeiten entsprechend entwickeln kann. Ich möchte Geschlechtergerechtigkeit und Teilhabe von allen Menschen. Ich komme aus der Frauengruppe der GRÜNEN in Aachen, da bin ich auch immer noch aktiv. 

Im Parteivorstand möchte ich nun mit meinem Blick auf Systeme, auf Kommunikationswege und deren Stabilisierung / Verbesserung und auf Organisationen als lebendige und sich verändernde „Wesen“ Themen bearbeiten, meine Kompetenzen zur Verfügung stellen, um gemeinsam weiter an den GRÜNEN Zielen effektiv zu arbeiten.

Ich freue mich, dies mit den Menschen zu tun, die sich jetzt zur (Wieder-)Wahl gestellt haben; ich habe sie kennen- und schätzengelernt. 

Was wünschst Du Dir für den Start im neuen Vorstandsteam?

Ganz viele Kontakte und Gespräche: inner- und außerhalb der Partei und Fraktion. Ich möchte mich „anpackbar“ machen und möchte andere Ideen und Meinungen anpacken können.

Wie, möchtest du, sollen die GRÜNEN in Aachen wahrgenommen werden?

Ich finde, dass GRÜN zu Aachen passt und Aachen zu den GRÜNEN: Wir sind grün und bunt, nicht zu groß, nicht zu klein, abwechslungsreich, ambitioniert, ein bisschen verrückt, mit viel Programm. Wie ich weiter oben schon sagte: Aachen ist grün, jeck, jung, international, studentisch, gemütlich, historisch. Das kann man gut zusammenbringen und dazu möchte ich beitragen.

Starke Themen bearbeitest du, starke Akzente möchtest du setzen. Hast du auch Schwächen?

Ja, klar. Ich bin oft zu aktiv, überschreite Grenzen – mit Vorliebe meine eigenen, fordere das aber auch oft von den Menschen um mich herum. Manchmal tanze ich auf zu vielen Feiern gleichzeitig. Ich bin immer auf der Suche nach irgendwas und immer auf dem Weg irgendwohin, immer „aufm Sprung“…

Das kann aber auch eine Stärke sein…?

Ich denke, ja. Für mich bedeutet Stillstand tatsächlich Rückschritt. In einem Team mit Menschen, die alle dieses Verhaltensmuster zeigen würden, bräche selbstverständlich ein hyperaktives Chaos aus… Neben meinem leichten Chaotentum bin ich ein absoluter Teamplayer und in einem Team, in dem Genauigkeit und Stetigkeit ebenso in den Verhaltensmustern vertreten sind, kann ich sehr gut getretene Bremspedale durch ein bisschen mehr Druck aufs Gaspedal ausgleichen – und trotzdem eine eingeschlagene Richtung halten. Deswegen freue ich mich wirklich auf die gemeinsame Arbeit im Vorstand.

Marietheres, wir sind gespannt auf das, was du machst und das, was kommt und wünschen dir viel Erfolg!

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