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18.08.2014

Ein Neustart mit Expertise, Neugier und Humor

Zupackend, humorvoll und kommunikativ – das ist der erste Eindruck von Sonja Verschitz, der neuen Geschäftsführerin von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, Ortsverband Aachen.

Seit dem 1. August ist die 35-Jährige Politologin (und Philologin) im Amt und packt als Nachfolgerin des langjährigen Geschäftsführers Jochen Luczak die vielfältigen Aufgaben im Parteibüro mit Elan an. Gut gelaunt steht sie im Interview Rede und Antwort zu ihrer Person, zu ihren Vorstellungen und Wünschen und erzählt, was sie für den anspruchsvollen Posten im Gepäck so mitbringt.

Sonja, stell' dich doch bitte kurz vor: Alt-Öcherin oder neu ins Rheinland eingewandert?

Weder noch! Über zehn Jahre habe ich in Aachen gelebt, studiert und gearbeitet, fühle mich der Kaiserstadt sehr verbunden und betrachte mich als Wahl-Aachenerin. Seit einiger Zeit wohne ich allerdings mit meinem Mann in Eschweiler-Nothberg und arbeite daran, uns einen schönen Bauerngarten mit vielen unterschiedlichen Pflanzen, Kräutern und Blumen anzulegen. Bis diese Arbeit Früchte trägt, kann es allerdings noch eine Weile dauern …

Was gefällt dir an Aachen und der Euregio besonders?

Ich schätze die Nähe zu Belgien und den Niederlanden sehr! Ich mag es, unterschiedliche Sprachen und Kulturen nah erleben zu können und finde den Austausch sehr spannend. Aachen ist überschaubar und hat dennoch viel zu bieten. Und als Uni-Stadt ist Aachen jung, am Puls der Zeit und immer in Bewegung. Außerdem hat die Stadt viele schöne Ecken und Plätze und ist sehr grün. Ich mag z.B. die Aussicht vom Lousberg, die versteckten Lauben im Stadtgarten und – als ehemalige Burtscheiderin – die Kurparkterrassen.

In der Aachener Parteienlandschaft bist du ein recht „unbeschriebenes Blatt“. Warum hast du dich als GRÜNE Parteigeschäftsführerin beworben

Vorweg: Neuem gegenüber bin ich grundsätzlich aufgeschlossen. Und so ganz aus dem Nichts kam diese Entwicklung nicht, denn schon als Kind habe ich mich für Umweltthemen interessiert. Als Jugendliche kam dann ein Bewusstsein für Themen wie weibliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Ungerechtigkeit hinzu.

Als Umsiedlerin – meine Familie wohnte damals in Inden, wir wurden wegen des Braunkohletagebaus umgesiedelt – habe ich die Auswirkungen, die ein solcher Eingriff in die Lebenssituation mit sich bringt, am eigenen Leib erfahren. Es war später kein schönes Erlebnis, die Orte meiner Kindheit nicht mehr aufsuchen zu können. Mein eigentliches Elternhaus steht nicht mehr, da ist nun ein großes Loch.

Wie verlief dein Weg dann weiter?

Als Politikstudentin habe ich mich auf internationale Belange konzentriert, z.B. auf die Bedeutung ethnischer Gegebenheiten in Konfliktregionen. Aber auch Aachen-nahe Themen interessierten mich. Ich habe den Konversionsprozess der Ordensburg Vogelsang verfolgt und in der Lenkungsgruppe hospitiert.

Als studentische Mitarbeiterin habe ich erste berufliche Erfahrungen im ingenieurtechnischen Umweltsektor am Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISA) der RWTH Aachen gesammelt. Die Bedeutung neuer Verfahren und Technologien für den Ressourcenschutz und den Erhalt der Umwelt wurde dadurch fassbar, das faszinierte mich. In diesem Zuge habe ich mich intensiv mit europäischer Gesetzgebung, der EU-Wasserrahmenrichtlinie und deren Umsetzung und auch mit den verschiedenen Akteuren beschäftigt.

Und was kam nach dem Studium?

Auch nach dem Studium bin ich als Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation bei der PIA – Prüfinstitut für Abwassertechnik GmbH – im Thema geblieben. In dieser Zeit – und einer nachfolgenden Selbstständigkeit als Inhaberin einer Agentur für Umweltkommunikation – habe ich mich intensiv mit Umwelttechnik, Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit auseinander gesetzt. Auch die Themen Gesellschaftliche Verantwortung, Geschlechtergerechtigkeit, Bürgerbeteiligungsstrategien und Umweltbildung spielten eine große Rolle.

Und nun? Wo geht die Reise hin mit den GRÜNEN?

Viele Aspekte aus meiner beruflichen Erfahrung werden meiner Arbeit als Parteigeschäftsführerin – so hoffe ich jedenfalls – dienlich sein. „Über den Tellerrand hinauszuschauen“ war als Geisteswissenschaftlerin unter Ingenieuren sehr wichtig, um erfolgreich interdisziplinär arbeiten zu können. Diese Fähigkeit werde ich auch in meiner neuen Funktion kreativ nutzen, etwa um neue Themen anzugehen, neue Mitglieder zu werben, einprägsame Aktionen zu planen und umzusetzen.

Ich möchte vor allem auch junge Menschen auf grüne Themen aufmerksam machen, Netzwerke nutzen und ausbauen. Auch meine Persönlichkeit hilft mir hoffentlich dabei, denn zu meinen Stärken zähle ich Aufgeschlossenheit, Ausdauer, Hartnäckigkeit, Konfliktfähigkeit – und nicht zuletzt bin ich ein Mensch mit viel Humor!

Und gibt es auch Schwächen, über die wir Bescheid wissen sollten?

Nein (lacht)! Doch, selbstverständlich gibt es die. Ich kann recht ungeduldig und impulsiv sein. Daran arbeite ich. Außerdem habe ich eine riesengroße Schwäche für Schokolade und Eis!

Was wünschst du dir für den Start?

Ein Wechsel an solch einer Position ist für alle Beteiligten nicht immer einfach. Die Zeit wird zeigen, was bleibt und was geändert werden wird. Ich bin gespannt, voller Tatendrang und freue mich auf einen regen Austausch und eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Ich habe schon viele engagierte und spannende Menschen kennengelernt!

Ein besonderes Dankeschön geht an dieser Stelle an meinen Vorgänger Jochen Luczak, der sich viel Zeit genommen hat, um mich freundlich, geduldig und mit viel Expertise aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung einzuarbeiten.

Noch ein paar kurze Fragen zu deiner Person: Hobbies?

Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Gartenarbeit, Wandern in der Eifel, Koch-Experimenten, meinem Mann und Freunden in geselligen Runden, mit Lesen und Schwimmen.

Kaffee-Tee, Hund-Katze, Meer-Berge?

Ah, auf jeden Fall Kaffee, Katze und Meer!!

Sonja, vielen Dank für das nette Gespräch!

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