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16.10.2013

Oberflächliche Kosmetik für schwächelndes Konzept

"Hier wird mit viel Geld nur Kosmetik betrieben", so Ratsmitglied Hermann Pilgram.

Die Umgestaltung von Eingangsbereich und Foyer des Ludwigforums stand am 15. Oktober auf der Tagesordnung des Kulturausschusses. Eine heftig umstrittene Maßnahme, nicht zuletzt wegen der gesalzenen Kosten von 300.000 Euro für einen Umbau, der letztlich wohl keinen einzigen  zusätzlichen Besucher in die Jülicher Straße locken wird.

Zwar gab es reichlich Kritik von fast allen Fraktionen im Ausschuss, dennoch wurden die vorliegenden Pläne mehrheitlich abgesegnet – allerdings gegen den Willen der GRÜNEN und mit Enthaltungen von FDP und Linken. „Gerade in Zeiten einer finanziell angespannten Haushaltslage sollten wir genau hinschauen, wo und zu welchem Zweck wir investieren“, so Hermann Josef Pilgram, finanzpolitischer Sprecher der GRÜNEN und Mitglied im Kulturausschuss.

Die Gestaltung sieht eine Aufwertung des Eingangsbereichs, eine deutlichere Wegeführung ins Innere sowie einen optimierten Kassenbereich in Kombination mit Kaffeebar und Museumsshop vor. Im Detail ist angedacht, dass über der Toreinfahrt große EINGANGS-Lettern den Weg in den Innenhof weisen. Für rund 1.000 Euro pro Buchstabe. Displays und andere visuelle Wegweiser leiten ins Innere zum Kassenraum, der mit kostspieligen multifunktionalen Möbeln ausgestattet werden soll.

„Über einem Kircheneingang steht auch nicht EINGANG und trotzdem finden die Menschen hinein. Hier findet eine oberflächliche Kosmetik für teures Geld statt, die nur kaschiert statt zu reparieren“, kritisiert Hermann Pilgram. „Das Konzept mag schlüssig sein, aber die eigentlichen Probleme des Hauses löst es nicht.“ Das sind die seit Jahren sinkenden Besucherzahlen und die schwindende Attraktivität des Hauses, die zunehmende Verluste mit sich bringen.

Die nun beschlossenen Maßnahmen, so Pilgram, würden zu keiner nennenswerten Belebung des Standorts führen. Das sähe man am Beispiel des Suermondt-Ludwig-Museums, wo eine ähnliche Maßnahme ebenfalls erfolglos geblieben sei und keineswegs den erhofften Aufschwung mit sich gebracht hätte.

„Was fehlt, sind strategische Überlegungen der Verantwortlichen, wie gerade diese beiden Aachener Museen besser bespielt werden können. An der Jülicher Straße wird der Forumscharakter, der im Sinne von Stifter Prof. Ludwig einst umgesetzt wurde, mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen wird Flickschusterei betrieben“, sagt Hermann Pilgram, der mit Blick auf die hohe Investition beantragte, den Tagesordnungspunkt noch einmal zu vertagen und nach einer kostensenkenden Alternative zu suchen – leider ohne Erfolg.

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