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09.12.2015

Traglufthallen sind von vorgestern

„Ich verstehe den Wunsch des Vereins nach einer winterfesten Spielmöglichkeit. Eine Traglufthalle kann hier aber nicht die Lösung sein“, sagt Jonas Paul, Vorsitzender des Sportausschusses.

Provisorische Tennishalle in Laurensberg wird von der Stadt Aachen subventioniert. Entscheidung im Sportausschuss ist aus ökologischer Sicht mehr als rückwärtsgewandt.

Am vergangenen Donnerstag hat der Sportausschuss die Bezuschussung einer Traglufthalle für den ALTC (Aachen-Laurensberger Tennis-Club) beschlossen. 20.000 EUR bekommt der Verein im nächsten Jahr von der Stadt, um eine so genannte Traglufthalle* im Gesamtwert von ca. 120.000 EUR konstruieren zu lassen, die über die Wintermonate (Oktober bis März) ein Bespielen der Außenplätze in Laurensberg ermöglichen soll. Bisher war der Verein im Winter auf Hallen in den benachbarten Ortsteilen ausgewichen, um ein konstantes Training zu gewährleisten. Der damit verbundene Zeit- und Fahrtaufwand scheint jedoch einigen Aktiven zu hoch zu sein, so dass der ALTC über zurückgehende Mitgliederzahlen aus den genannten Gründen klagt. Die Traglufthalle soll es jetzt in der Wintersaison richten.

„Ich verstehe den Wunsch des Vereins nach einer winterfesten Spielmöglichkeit. Eine Traglufthalle kann hier aber nicht die Lösung sein“, sagt Jonas Paul, Vorsitzender des Sportausschusses. „Der Energieverbrauch einer solchen Halle ist immens hoch. Traglufthallen sind Konstrukte aus dem vergangenen Jahrhundert und wurden bereits in den 70er Jahren im Zuge der Energiekrise nicht mehr gerne gebaut. Im Sinne einer langfristigen Perspektive sollte der Verein andere nachhaltigere Lösungen suchen.“

Für eine Stadt wie Aachen, die sich auf der einen Seite gerade den „European Energy Award 2015“ in Gold abgeholt hat – eine Auszeichnung für besondere Leistungen im Bereich Energie und Klimaschutz – ist die Unterstützung eines solchen Bauvorhabens eine völlig rückwärtsgewandte Entwicklung. „Auch beim Bau von Sportanlagen sollte auf Energieeffizienz und den Einsatz von nicht-fossilen Energieträgern gesetzt werden“, kommentiert Sabine Göddenhenrich, umweltpolitische Sprecherin der GRÜNEN Ratsfraktion. „Die Entscheidung von CDU und SPD, den Bau einer Traglufthalle mit Steuergeldern zu fördern, passt nicht zu der bisher ökologisch orientierten Energie- und Umweltpolitik der Stadt Aachen. Aber das Thema Umwelt hat diese Koalition sich ja eh nicht auf die Fahnen geschrieben.“

*Eine Traglufthalle ist eine provisorische Hallenkonstruktion auf einer festen Bodenplatte. Darüber wird eine luftdichte und elastische Hülle errichtet. Um die Hülle aufrecht zu erhalten, kommt dauerhaft ein Gebläse zum Einsatz. Die Halle wird über eine Druckschleuse betreten. Alleine die Heizkosten für die geplante Zweifeldhalle liegen bei ca. 200 kW pro Stunde!

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