Suche
20.09.2011

33.000 Studenten bekommen ein neues Entree

Wer an der RWTH sein Studium beginnt, landet unweigerlich in den ersten Tagen am Hauptgebäude bzw. am Super C.  Und eigentlich steht sie oder er dann schon fast auf der Straße, denn der Innenstadt-Campus wird durch die Fahrspur des Templergrabens in zwei Bereiche getrennt, den Bereich oberhalb des Templergrabens und den Bereich rund ums Karman-Auditorium.

Ziel eines Umbaus des Vorplatzes am Hauptgebäude ist es, diese beiden durch die Straße getrennten Bereiche besser miteinander zu verknüpfen.

Der jetzt anstehende Umbau ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, den die RWTH Aachen, der BLB und die Stadt Aachen 2009 gemeinsam ausgelobt und beschlossen haben. Der Siegerentwurf der Berliner Büros „Sinai und Malchleidt & Partner“ soll jetzt realisiert werden.

Roland Jahn, Vorsitzender des Mobilitätsausschusses und grünes Ratsmitglied, skizziert die Situation:

„Nachdem Verkehrsgutachten am Templergraben ergeben haben, dass dort doppelt so viele Fußgänger unterwegs sind wie Autofahrer, gab es viele Sympathien dafür, den Templergraben ganz für den Autoverkehr zu sperren. Auch bei uns GRÜNEN. Dies hätte aber weitreichende Konsequenzen für alle anderen umliegenden Straßen gehabt, da der Verkehr dann durch andere Wohnbereiche abfließen würde. Die Idee des Shared Space stellt an dieser Stelle eine hervorragende Problemlösung dar.“


Was ist Shared Space?


Zunächst einmal ein typischer Anglizismus; deutsche Übersetzungen sind  „Gemeinschaftsstraßen“ oder „Begegnungszonen“. Die Engländer sprechen bei diesem Konzept auch von der road revolution. Das Revolutionäre an diesem Konzept ist, dass es überhaupt keine Verkehrsschilder gibt und sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt im Verkehrsraum bewegen.

365 verschiedene Verkehrsschilder gibt es alleine in Deutschland. Ein Hang zur Überregulierung wird deutlich. Ausgehend von der Annahme, dass diese Überregulierung die Unfallgefahr erhöht, weil sich die Verkehrsteilnehmer  ihrer eigenen Verantwortung entledigt sehen, hat der Niederländer Hans Mondermann bereits 1985 im niederländischen Friesland das Verkehrskonzept des Shared Space entwickelt und ausprobiert.

Shared Space in Aachen


Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der GRÜNEN:

„Bisher gibt es in Aachen kein Shared Space. Wir wagen verkehrlich und städtebaulich etwas völlig Neues. Um ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer am Templergraben zu erreichen, muss er niveaugleich und behindertengerecht gestaltet werden. Dies bedeutet für den Bereich vor dem Karman-Gebäude eine Anhebung des Bodens um bis zu 50 Zentimeter. Im Zuge dieser Anhebung werden Bäume weichen müssen, da sie eine Aufschüttung der Fläche um sich herum nicht überleben würden.“


Michael Rau weiter:

„Wir haben verschiedene Maßnahmen diskutiert. Etwa die großen Bäume auch umzupflanzen. Dies würden sie aber mit größter Wahrscheinlichkeit nach Auskunft der Fachleute auch nicht überleben. Also sind wir zu der Entscheidung gelangt, dass es sinnvoller ist, neue Bäume zu pflanzen, so wie wir es in großer Zahl in der Aachener Innenstadt in den vergangenen Jahren bei Umbauten im öffentlichen Raum getan haben.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt damit Shared Space am Templergraben funktioniert ist, dass alle Verkehrsteilnehmer Sichtkontakt halten können. Nur wenn sich alle sehen, können sie aufeinander Rücksicht nehmen.

Roland Jahn:

„Aktuell wird dieser Sichtkontakt durch einige Bäume behindert. Auch hier haben wir lange gerungen und diskutiert, ob die Bäume wirklich weichen müssen.  Es geht letztlich um eine Gesamtabwägung des ganzen Projektes und auch um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, vor allem der Fußgänger und Radfahrer, die an dieser Stelle dominieren. Was hier entsteht, ist wirklich gut. Und das können wir guten Gewissens sagen, ohne unsere ökologische Position aufzugeben.“

Für den aktuellen Protest der LINKEN gegen die Fällung der Bäume haben beide Ratsmänner überhaupt kein Verständnis.

Michael Rau:

„Wer in allen Ausschüssen für das Projekt stimmt, obwohl klar ist, dass Bäume weichen müssen, und jetzt die Bäume retten will, der will die Bürgerinnen und Bürger hinters Licht führen und hängt seine Fahne in den Wind.“

Und Roland Jahn ergänzt:

„„Wer jetzt sagt --- „Shared Space“ ja, aber ändert nichts an der Platzgestaltung mit den Bäumen --- , der hat das ganze Konzept nicht verstanden.“

Weitere Informationen:


Artikel in der ZEIT vom 03.08.11: Alle haben Vorfahrt


Die Konzeption des Shared Space in Aachen

Suche