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03.12.2019

„Gemeinwohl-Ökonomie" bekannter machen und fördern

Unternehmensbilanzen sind oft umfangreiche Zahlenwerke. Sie zeigen auf, wo eine Organisation finanziell steht und wie sie sich weiterentwickeln will. Doch neben harten Zahlen und Fakten bilanzieren viele Firmen in Geschäftsberichten und Reports schon jetzt nach Kriterien, die Wirtschaftlichkeit in einem anderen Zusammenhang betrachten: etwa unter Aspekten des Energiewirtschaftens oder der Umweltbilanz, oder auch mit Schwerpunkt auf der sozialen unternehmerischen Verantwortung.

„Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)" heißt eine Methode, nach der man eine solche Bilanzierung strukturell angehen kann. Die GRÜNEN in Aachen fordern in einem Ratsantrag, diese Methodik in Aachen bekannter zu machen, sie in einem städtischen Pilotprojekt auszuprobieren und die Idee durch Information und Netzwerkbildung in Aachener Unternehmen zu tragen.

„Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, das nicht allein gewinnorientiert ist. Vielmehr wird die Nachhaltigkeit und der gesellschaftliche Nutzen in den Mittelpunkt gestellt", erklärt die GRÜNE Ratsfrau und Ideengeberin Lisa Lang das Konzept. „Es gibt jetzt schon viele Unternehmen, die über ein „gerade nur das Notwendige und Erforderliche tun" hinausgehen. Sie beachten auch Punkte wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung. Mit dem Instrument der Gemeinwohl-Bilanzierung erkennt man als Gesellschaft diese Werte an, fördert sie strukturell und fordert sie auch letztendlich ein."

Stuttgart macht es vor. Als eine der ersten Kommunen in Deutschland hat die schwäbische Landeshauptstadt in zwei Eigenbetrieben das Instrument der Gemeinwohl-Ökonomie eingeführt und erstellt dort seitdem Gemeinwohl-Bilanzen. Außerdem fördert der Stuttgarter Gemeinderat seit 2018 mit einem eigens dafür aufgelegten Programm lokale Unternehmen, die ebenfalls nach GWÖ arbeiten möchten.

„Wir fordern die Aachener Stadtverwaltung mit unserem Antrag auf, die Initiative zu ergreifen, potenzielle Akteur*innen an einen Tisch zu bringen, sie über GWÖ zu informieren und für das Thema zu begeistern. Miteinhergehen sollte die eigene Bestandsaufnahme in der Verwaltung. Beides, externe wie interne Prozesse, sollen durch eine*n Gemeinwohlberater*in professionell begleitet und verstetigt werden. Diese Stelle kann zum Beispiel in der Wirtschaftsförderung der Stadt angesiedelt sein", so Lisa Lang. Der Antrag wird in die kommende Ratssitzung am 11.12.19 eingebracht und von dort voraussichtlich in den zuständigen Fachausschuss zur weiteren Beratung verwiesen.

Weitere Informationen zum Thema im Ratsantrag sowie unter https://www.ecogood.org/de/.
Das Gemeinwohl-Ökonomie-Modell wird auch vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss empfohlen.

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