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13.02.2019

Aachen kann mehr: Innenstadt neu denken und leben

GRÜNER Ratsantrag 04 / 2019

Die Betroffenheit und die vielfältigen Diskussionen über Aachens „Innenstadtauftritt“ sind nicht zu überhören und erfordern umgehend politisches Handeln des Rates!

Leerstand von vielen Wohngebäuden im Zentrum der Stadt, Leerstand ganzer Straßenzüge, Geschäftsleerstände, Trading-Down-Effekte an vielen Stellen, Investitionsruinen, ein klagender Einzelhandel, verstopfte Innenstadtstraßen, ein unzureichender Öffentlicher Personennahverkehr, fehlende sichere Fahrradinfrastrukturen, zögernde Investoren, die Liste ließe sich fortsetzen, alles von einer breiten Bürgerschaft diskutierte Themen, die einer Analyse und einer Lösung bedürfen.

Aachens Innenstadt entwickelt sich zur „Mittelmäßigkeit“ und „Beliebigkeit“ anstatt Profil und Qualität als Europastadt und Oberzentrum der Region zu entfalten!

Veränderte Lebenswelten und Lebensgewohnheiten, ein neues Freizeit- und Mobilitätsverhalten und ein veränderter Blick der verschiedenen Generationen der Stadtgesellschaft auf ihre „Innenstadt“ erfordern ein planerisches Umdenken. Nicht mehr der Einzelhandel allein, das „Einkaufen“ definiert heutige und zukünftige Profile und Qualitäten unserer Innenstädte, sondern mehr und mehr die Stadt als urban-kulturelles Erlebnis: Kultur, Freizeit, Vergnügen, Entspannung, Erlebnis, Sport, urbane Baukultur, zukunftsweisende Mobilität für alle, Luftqualität, Grünflächen. Darauf gilt es endlich auch in Aachen zu reagieren und Perspektiven zu entwickeln!

Wir müssen Aachens Innenstadt unter Wahrung historischer Qualitäten und zahlreich vorhandener Potenziale neu denken und gestalten: Aachen kann mehr!

Dazu legt die Fraktion der GRÜNEN im Rat der Stadt Aachen folgenden Ratsantrag zum Beschluss vor:

Der Rat beauftragt die Verwaltung, in 2019 für die Aachener Innenstadt gemeinsam mit beratenden Fachleuten, Akteur*innen der Innenstadt, dem Handel, der Bürgerschaft bestehend aus verschiedenen Generationen und Kulturen in kreativen und kooperativen Prozessen wie Workshops, Konferenzen, Think Tanks oder anderen erprobten Formaten neue Ideen und Konzepte für eine „Zukunft Innenstadt Aachen“ zu diskutieren und Umsetzungsstrategien zu entwickeln. Das Ergebnis ist dem Rat und seinen Ausschüssen zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.


Wir erkennen insbesondere in folgenden Innenstadthemen und Problemstellungen zu diskutierende Lösungen für Aachen:

Mobilität / Verkehr
Eine umwelt- und sozialgerechte Mobilitätswende für Aachen ist eine Grundvoraussetzung und der Schlüssel für eine nachhaltige urbane Stadtentwicklung und die Zukunft der Attraktion unserer Innenstadt:

  • Ein attraktives, tragfähiges und zukunftsweisendes ÖPNV-Konzept unter Einbeziehung schienen-gebundener Lösungen, Überprüfung des Knotenpunktes Bushof zugunsten dezentraler Knotenpunkte beispielsweise auf dem Campus AC West, am Hauptbahnhof oder auf dem Alleenring
  • Umsetzung eines Schleifenerschließungskonzepts für die Altstadt
  • Sicheres und vorrangiges Fahrradfahren in der Innenstadt, ausreichend Fahrradabstellplätze, Einrichtung von Radvorrangrouten auf dem Grabenring
  • Umleitung des parkenden Verkehrs in der Innenstadt vorrangig in die Parkhäuser
  • Neuaufteilung des öffentlichen Raums für eine sozial gerechtere Mobilität
  • Realisierung des Bahnhofsausgangs nach Burtscheid, Errichtung eines Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof
  • Konsequente Umsetzung der Premiumwege entsprechend dem Masterplan 2030
  • Aufbau einer emissionsfreien, platzsparenden City-Logistik


Handel / Gastronomie

Der Internethandel hat unser aller Einkaufsverhalten massiv verändert. Dem müssen sich die Stadt Aachen, der stationäre Einzelhandel, die Verbände und die Aachener Gastronomie mit neuen Konzepten, mit mehr Qualität, Ideen und „Esprit“ stellen.

  • Gemeinsame regionale Internetplattformen – „Ebay“ für den Aachener Einzelhandel
  • Steigerung der Attraktivität durch ein qualitativ gutes Angebot und das „Anders sein“ im Vergleich mit der Präsentation mit dem Internet
  • Konzentration und bessere Verknüpfung der Einkaufszonen sowie die Aufgabe von ehemaligen Einkaufslagen zugunsten der Schaffung neuer Wohngebiete in der Innenstadt
  • Ausweisung neuer Außengastronomieflächen in innerstädtischer und historischer Umgebung beispielsweise am Theaterplatz oder in der Theaterstraße
  • Ideenreiche Verknüpfung von „Einkaufen“, Stadtkultur, Erlebnis, Gastronomie und Freizeit – dies geht nicht „im Internet“, sondern nur in einer urbanen Umgebung
  • Euregionale Food-Angebote, neue Marktangebote wie z.B. Feierabendmärkte oder andere stationäre Marktkonzepte zur Unterstützung eines urbanen Lebensgefühls
  • Überprüfung und Neukonzeption vermeintlich als Alleinstellungsmerkmal für Aachen angenommener Formate wie dem Aachener Weihnachtsmarkt
  • Bauliche und gastronomische Qualitätsoffensive für die „Partymeile“ Pontstraße
  • Entwicklung von Umnutzungskonzepten für nicht mehr benötigte Einzelhandelsflächen


Kultur / Bildung

Die Innenstadt ist auch ein Ort der Kultur und Bildung. Beides sind wichtige Elemente von Urbanität. Gerade auch die Innenstadt braucht Orte, wo Menschen lernen und ihre Kreativität entwickeln können, wo Kultur gemacht wird und Kreative arbeiten, wo Menschen Kultur erleben können.

  • Realisierung des „Hauses der Bildung“ für Volkshochschule und Stadtbücherei am Standort Bushof als innerstädtisches Leuchtturmprojekt, als attraktives, offenes Angebot für lebenslanges Lernen, Bildung und Begegnung
  • Verbesserung der Wahrnehmbarkeit und Offenheit der vorhandenen kulturellen Einrichtungen
  • Kulturelle Prägung des öffentlichen Raums durch qualitätsvolle Architektur und wertiges Design der Stadtmöblierung
  • Events in der Innenstadt mit einem Alleinstellungsmerkmal für Aachen wie zum Beispiel das „Domspringen“
  • „Straße als Bühne“, von Straßentheater und Straßenmusik bis hin zur kreativen Umnutzung von Straßenraum für Kunstaktionen, Feste und andere Kulturformate
  • Stärkung und Kooperation der Stadt mit der freien Kulturszene, der Club- und Festivalszene
  • Erhalt vorhandener und Erschließung neuer Kultur- und Kreativräume
  • Kontinuierliche Förderung der Kulturwirtschaft und Kreativwirtschaft


Parks und Grünflächen / „Bad“ Aachen

Die Verbindung von Urbanität, Kultur, Erlebnis mit Freizeit, Ruhe und Erholung definiert ein Lebensgefühl und damit eine neu nachgefragte Innenstadtqualität:

  • Ein hoch frequentierter Elisengarten zeigt den Wunsch von Bewohner*innen und Besucher*innen nach Grünflächen im Herzen der Stadt. Diese Qualität gilt es durch mehr ähnliche Flächenangebote auszubauen, beispielsweise rund um den Bushof und St. Peter.
  • Aachen trägt den Kurstadttitel „Bad Aachen“ – ein Alleinstellungsmerkmal auch durch die Präsentation und Freilegung der Aachener Thermalquellen und Bäche und ein ungenutztes Potenzial beispielsweise am Standort Burtscheid.


Innenstadt und Hochschulen

Ein Innenstadt-Campus mit ausgeprägtem, wissenschaftlichem, universitärem Leben und Arbeiten sowie studentischem Wohnen und Leben bildet ein besonders Alleinstellungsmerkmal und ein weiteres auszubauendes Potenzial für eine lebendige Innenstadt!

  • Präsentation und „Erlebbar machen“ von Forschungsergebnissen und universitären Einrichtungen auch und gerade in der Innenstadt
  • Ansiedlung von universitären Einrichtungen wie Instituten oder An-Instituten insbesondere in leergefallenen Gebäuden und Einzelhandelsflächen in der Innenstadt (Beispiel: Präsentation e-go im ehemaligen Esprit Gebäude am Holzgraben)
  • Neugestaltung der bis heute nicht realisierten „Achse der Wissenschaft“ als ein Baustein der „Route Charlemagne“ als präsentierende Verbindung von der Innenstadt zum Hochschulcampus
  • Startup City – die niedrigschwellige Bereitstellung von Büroflächen für Startups in ungenutztem Leerstand


Baukultur und Innenstadt

Das qualitätsvolle Nebeneinander von baukulturellem, historischem Erbe wie Altstadt, Weltkulturerbe Dom und Rathaus mit moderner, nachhaltiger Architektur kann ein weiteres Alleinstellungsmerkmal Aachens sein.

  • Baulich qualitätsvolle Leuchtturmprojekte wie das SuperC stimulieren eine Innenstadt. So müssen auch das Büchel- und das Bushofprojekt oder zukünftige Innenstadtentwicklungen wie zum Beispiel am Standort von Sinn-Leffers an der Großkölnstraße aufgestellt werden.
  • Aachen verfügt mit zwei universitären Architektur-/Stadtplanungsfakultäten von hohem Ruf über großes Fachpotenzial, was für Aachens städtebauliche Entwicklung und neue Formate besser zu nutzen ist.
  • Die Stadt braucht für ihre städtebauliche Weiterentwicklung einen breiten Investorenpool, um den geworben werden muss.
  • Mit einer eigenen Stadtentwicklungsgesellschaft kann die Stadt selbst eine wichtigere Rolle bei der Stadterneuerung übernehmen.
  • Neue urbane Wohnprojekte stärken die Innenstadt.
  • Smart City-Lösungen sind die Zukunft.


Fazit:

Der vorliegende Ratsantrag will auf der Basis einer Analyse und Bestandsaufnahme aktuelle Handlungsbedarfe aufzeigen und erste konkrete Lösungsvorschläge formulieren. Die Stadt Aachen braucht keinen neuen Plan, aber sie muss ihr Profil schärfen. Die mit dem Innenstadtkonzept 2022 beschlossenen Maßnahmen müssen konsequent umgesetzt werden. Auch beschreibt der Masterplan 2030 die Perspektiven und erforderlichen Impulse für die räumliche Entwicklung der Stadt nach wie vor zutreffend.


Melanie Seufert                                                Michael Rau
Fraktionsvorsitzende                                         planungspolitischer Sprecher

Kaj Neumann                                                   Lisa Lang
mobilitätspolitischer Sprecher                            wirtschaftspolitische Sprecherin 

Ulla Griepentrog                                               Hermann Josef Pilgram  
schulpolitische Sprecherin                                 finanzpolitischer Sprecher

» Zum Ratsantrag als PDF 

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