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21.09.2021

Dem Insektensterben entgegentreten: Ökologische Aufwertung des Wegebegleitgrüns

Ratsantrag 38 / 2021

Die Fraktion der GRÜNEN beantragt, im Rat der Stadt folgenden Beschluss zu fassen: 

Die Verwaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Stadtbetrieb beauftragt, das Wegebegleitgrün mit einer (potentiellen) großen ökologischen Wertigkeit nur noch extensiv zu pflegen. Zu diesem Zweck erscheint es sinnvoll, das ökologische Potential aller Flächen des Wegebegleitgrüns zu ermitteln und die einzelnen Flächen auf dieser Basis in verschiedene Pflegekategorien einzuteilen. Dabei soll gleichzeitig sichergestellt werden, dass die Freihaltung der Verkehrswege gewährleistet bleibt.

Vor allem die Pflege der Wiesen- und Wildblumenstreifen, welche ein besonders großes Potential zur ökologischen Aufwertung bieten, soll zeitnah extensiviert werden. Dabei ist das Mahdgut möglichst zu entnehmen. Auf die Mahd eines Randstreifens soll an Fuß- und Feldwegen, wo dies aus Verkehrs-sicherungsgründen nicht notwendig ist, verzichtet werden.

Die Verwaltung wird weiterhin beauftragt, öffentliche Stakeholder wie STAWAG, WVER, die Hochschulen und Straßen.NRW für eine extensive, flora- und faunafreundliche Bearbeitung ihrer Grünflächen zu gewinnen.

 

Begründung:  

In Zeiten von zunehmender Klimaerwärmung und massivem Rückgang von Wirbellosen wie Insekten und vielen Vogelarten sind – ergänzend zu den Flächen des FLIP-Projektes – weitere Maßnahmen im Stadtgebiet möglich und erforderlich.

In Zusammenarbeit zwischen Umweltamt und Stadtbetrieb soll daher ein Konzept entwickelt werden, um diejenigen Flächen an Weges- und Straßenrändern in ihrer ökologischen Wertigkeit zu steigern, wo dies nicht zu einer Beeinträchtigung von Verkehrsteilnehmer*innen führen würde. Um auch zeitnah schon eine Verbesserung auf Flächen zu erreichen, sollen auch Zwischenschritte des Konzepts umgesetzt werden.

Durch extensive Pflege dienen blumenreiche Wiesen, Straßen- und Wegeränder und sonstige Freiflä-chen mit ihrer Pflanzenvielfalt Insekten und anderen Tieren als Lebensraum. Sie helfen dadurch, den aktuellen Rückgang zahlreicher wildlebender Arten zu verringern. Das Wegebegleitgrün fördert mit seiner oft ausgedehnten linearen Struktur den wichtigen Biotopverbund. Darüber hinaus bieten extensiv gepflegte, blütenreiche Flächen der Bevölkerung ein intensiveres Naturerleben im eigenen Wohn- und Naherholungsumfeld und verbessern mit ihrer stärkeren Wasserspeicherung und -ver-dunstung das lokale Kleinklima.

Die erste, insektenschonende Mahd darf nicht vor der Samenreife der Blütenpflanzen erfolgen, eine zweite Mahd nicht vor Mitte September. Eine zeitverzögerte Entnahme des Mahdgutes zur Verwertung führt über eine Ausmagerung der Flächen zu größerem Kräuterreichtum und geringerer Biomasse, so dass nach wenigen Jahren oftmals eine einzige Mahd pro Jahr ausreichend ist.

Nach einer Studie der Stadt Bielefeld (Blüh-Wiesenkonzept) werden die Kosten der Grünpflege dadurch nicht erhöht, sondern u.U. sogar deutlich gesenkt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Monika Wenzel                                      Julia Brinner  
Fraktionssprecherin GRÜNE                   Umweltpolitische Sprecherin GRÜNE

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