Ratsantrag 10 /2026
die Fraktion von Bündnis 90/ Die GRÜNEN beantragt, im Rat der Stadt Aachen folgenden Beschluss zu fassen:
Der Rat der Stadt Aachen beauftragt die Verwaltung, eine integrierte Kommunale Biodiversitätsstrategie zu erarbeiten und den zuständigen Gremien zur Beschlussfassung vorzulegen.
Die Strategie soll dem zentralen Ziel dienen, den Rückgang der biologischen Vielfalt auf dem Gebiet der Stadt Aachen aufzuhalten bzw. umzukehren. Dabei sollen sowohl innerstädtische Flächen als auch der Außenraum betrachtet werden. Im Rahmen der Strategie sollen zu diesem Zweck zum einen bestehende städtische Aktivitäten aufgeführt und strukturiert sowie ergänzend neue Maßnahmen entwickelt und dargestellt werden, beispielweise in Form von themengeclusterten Steckbriefen.
Als Grundlage für eine strukturierte Umsetzung soll die Strategie darüber hinaus Zeitpläne sowie ein Konzept für ein Monitoring umfassen.
Möglichkeiten der Kooperation zwischen der Stadt, den ortsansässigen Landwirt*innen, Naturschutzinitiativen, wissenschaftlichen Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sollen in der Strategie berücksichtigt werden.
Dabei sollen u.a. folgende Handlungsfelder abgedeckt werden:
- Festlegung eines Zielbildes für die biologische Vielfalt in Aachen unter Bezugnahme auf übergeordnete Strategien, bspw. die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt
- Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Biodiversität auf städtischen landwirtschaftlichen Pachtflächen, bspw. über Vertragsgestaltung und Vertragsnaturschutz
- Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Biodiversität auf nicht-städtischen landwirtschaftlichen Flächen
- Maßnahmen zur ökologischen Weiterentwicklung und Aufwertung der städtischen Naturschutzgebiete
- Ausbau des Biotopverbundes im Siedlungs- und Außenbereich
- Schutz und Wiederherstellung von Gewässern
- Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie für den Aachener Wald inkl. Stilllegungsflächen
- Leitlinien für die naturnahe, ökologisch hochwertige Gestaltung und fachgerechte Pflege der kommunalen Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich
- Maßnahmen zur Umsetzung und Förderung von Fassaden- und Dachbegrünung an öffentlichen und privaten Gebäuden, inkl. Evaluation der bestehenden Grün- und Gestaltungssatzung
- Erreichung einer positiven Baumbilanz sowie Maßnahmen zur Erhaltung wertvoller Alt- und Biotopbäume
- Aufzeigen von Synergieeffekten zwischen Klimafolgenanpassung und Biodiversitätsförderung, bspw. durch Entsiegelung versiegelter Flächen, Schwammstadt-Ansätze und Tiny Forests
- Maßnahmen zur Reduktion der Lichtverschmutzung durch öffentliche und private Lichtquellen (inkl. Berücksichtigung des bestehenden Beschlusses für insektenfreundliche Straßenbeleuchtung)
- Fortführung der Umwandlung einzelner kommunaler Rasenflächen in artenreiche Blühwiesen sowie dauerhafter Erhalt der FLIP-Wiesen
- Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit für Kinder, Erwachsene und Unternehmen zur Stärkung privater Grün-Initiativen und zur Reduktion von Schottergärten
Begründung
Der weltweite und auch in Deutschland deutlich messbare Rückgang von Arten und Lebensräumen macht entschlossenes Handeln auf allen politischen Ebenen erforderlich, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu sichern. Auch in Aachen sind Biodiversitätsverluste im Siedlungsbereich wie im Außenraum feststellbar, während Flächendruck, Klimawandel und Nutzungsintensivierung die Situation weiter verschärfen. Die Stadt Aachen steht in diesem Zusammenhang in der Verantwortung, ihren Teil zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesrepublik Deutschland sowie der Biodiversitätsstrategie der Europäischen Union beizutragen.
Die Stadt Aachen setzt bereits seit vielen Jahren vielfältige Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität um. Der neue Landschaftsplan bildet eine gute Grundlage, um insbesondere im Außenraum in den kommenden Jahren weitere substanzielle Verbesserungen auf den Weg zu bringen.
Eine integrierte kommunale Biodiversitätsstrategie bietet das Potenzial, bestehende Aktivitäten zu bündeln sowie neue Maßnahmen zu entwickeln und ermöglicht eine systematische, integrierte Umsetzung. Analog zum Integrierten Klimaschutzkonzept sollen Maßnahmensteckbriefe erstellt, Kosten sowie Fördermöglichkeiten für die einzelnen Maßnahmen sowie deren Wirksamkeit dargestellt werden. Durch die Verknüpfung von Biodiversitätsförderung mit Klimaanpassung, Entsiegelung und nachhaltiger Flächenentwicklung können im Rahmen der Strategie Mehrwerte für Lebensqualität, Gesundheit und Resilienz der Stadt aufgezeigt werden.
Zur Finanzierung der Entwicklung der Biodiversitätsstrategie sowie von Maßnahmen, die über die bestehenden Haushaltspositionen hinaus gehen, sollen Förderprogramme in Anspruch genommen werden, zum Beispiel das Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit dem Förderschwerpunkt „Stadtnatur“ und das Programm “Natürlicher Klimaschutz in Kommunen” des Bundesministeriums für Umwelt.
| Julia Brinner Umweltpolitische Sprecherin | Carsten Schaadt Fraktionssprecher |