– ein Bericht unserer Schülerpraktikantin Enya Vicktor –
Die diesjährige „Lange Tafel der Vielfalt“ fand nun das vierte Mal in Aachen statt und obwohl ich einige Aachener Events besuche, war ich selbst bisher nicht hier gewesen, was meinen Besuch sofort doppelt spannend machte: das erste Mal bei der Langen Tafel der Vielfalt und dann auch noch gleich mithelfen. Passend zu der Veranstaltung war die Hitzewelle der vergangenen Woche vorbei und hatte dennoch strahlend schönes Wetter hinterlassen.
Auch dieses Jahr sollte während der Veranstaltung wieder der „Vielfaltspreis“ vergeben werden und als diesjähriges Novum auch der Förderpreis „Integration durch Sport“ – doch dazu später mehr.
Auch wenn es eigentlich erst um 12:00 Uhr losgehen sollte, waren bereits vorher viele Menschen auf dem sonnenbeschienenen Katschhof unterwegs, die sich schlendernd den vielen Informations- und Essensständen näherten. Dabei gab es eine große Auswahl an Vereinen, wie zum Beispiel die Caritas, Initiativen, wie das Netzwerk Aachen, aber eben auch Stände der Stadt und der demokratischen Parteien. Hier konnte man oftmals nicht nur Informationen erhalten und in den politischen Austausch gehen, sondern auch Kleinigkeiten, wie Gummibärchen oder die veganen Waffeln der Grünen bekommen, die sich großer Beliebtheit erfreuten.
Noch einmal voller wurde es schließlich, als alles richtig startete und es zu den Preisverleihungen kam, zunächst zu den vier ersten Plätzen des Förderpreises „Integration durch Sport“. Dort wurden beeindruckende Projekte ausgezeichnet, von Inklusion im Karneval bis zu einer extra Förderung der Jugend im Sport und somit schaffen neuer Räume und Selbstbewusstsein für Jugendliche. Die Preise wurden hierbei durch den Ausschuss für Chancengleichheit und Integration und den Oberbürgermeister verliehen, wobei die Begeisterung und das Engagement der Preistragenden für ihre Projekte und die Vielfalt durch die Antworten auf die gestellten Interviewfragen nochmals betont wurden – und auch im bunten, gut gelaunten Publikum super ankamen. Angekündigt wurden die jeweiligen Geehrten immer durch ein kleines, kunstvolles Trommelstück.
Danach kam es nun zur Bekanntgabe des vierten bis ersten Platzes des Aachener Vielfaltspreises, worunter bereits bekanntere Projekte waren, wie der Friedenslauf, aber auch zu noch unbekanntere Projekte, wie dem von Sophie Orentlikher und Mohammed Arfan Ashmawi, die als Studierende ein Dialogformat zum Thema Nahost entwickelt haben.
Dieses Format hatte mit Unterstützung der Grünen Fraktion Aachen im letzten Jahr schon einmal mit den beiden Preisträger*innen stattgefunden, um einen konstruktiven, respektvollen Umgang in Zeiten der Polarisierung und verhärteten Fronten einzuüben.
In ihren Dialogveranstaltungen bringen beide ihre persönlichen Perspektiven ein: Sophie Orentlikher mit jüdischer Familiengeschichte, Mohammed Arfan Ashmawi mit palästinensisch-islamischer. Sie thematisieren ihre biografischen Zugänge zur Region, analysieren den deutschen Diskurs und zeigen Wege gelebter Solidarität jenseits von Polarisierung auf. Besonders beeindruckend ist, dass sie nicht nur über Dialog reden, sondern ihn vorleben – auch in einer Veranstaltung, die sie gemeinsam mit dem Eine-Welt Forum und dem Institut für angewandte Bildungs- und Diversitätsforschung (IBuD) der katho Aachen organisiert haben. Die Resonanz der Teilnehmer*innen war überzeugend und berührend: Viele berichteten, wie selten sie einen Raum erlebt hätten, in dem unterschiedliche Sichtweisen so respektvoll und konstruktiv ausgetauscht werden konnten. Diese Dialogräume sollen häufiger angeboten werden können. Um diese Dialogreihen mehr in der Breite anbieten zu können, wäre es hilfreich, wenn Sophie und Mohammed durch die Auszeichnung des Aachener Vielfaltspreises mehr Bekanntheit und Öffentlichkeit bekommen.
Eben dadurch und auch durch ihre eigenen Erfahrungen stieß das Format bei ihren Veranstaltungen auf positives und berührtes Feedback, wodurch sie sich ihre Auszeichnung mehr als verdient hatten – ebenso wie die anderen Projekte. Sowohl bei diesem als auch bei anderen Projekten wurde erzählt, wie eigene Erfahrungen oder Betroffenheit zu dem Engagement der Menschen und ihren beeindruckenden Ergebnissen führten.
Wir gratulieren herzlich!