Netto-Null-Flächenbilanz in Aachen

Die Stadt Aachen soll mittelfristig eine Netto-Null-Flächenbilanz erreichen.

Ratsantrag 04 /2026

die Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN beantragt, im Rat der Stadt folgenden Beschluss zu fassen:

Der Rat der Stadt Aachen beschließt, mittelfristig eine Netto-Null-Flächenbilanz zu erreichen und damit zur Umsetzung der Ziele auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene beizutragen.

Die Verwaltung wird beauftragt, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um dieses Ziel systematisch in künftige Planungsprozesse zu integrieren.

Außerdem wird die Verwaltung beauftragt, die Ergebnisse in den zuständigen Fachausschüssen vorzustellen und auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse konkrete Beschlussvorlagen zur verbindlichen Einführung des Netto-Null-Prinzips zu erarbeiten.

Zu diesem Zweck wird die Verwaltung beauftragt

  1. Die technischen und methodischen Grundlagen zur bilanziellen Erfassung von Versiegelungsbilanzen zu schaffen.
  2. Die Ausgangssituation zu definieren und relevante Flächen mit ökologisch und klimatisch relevanten Entsiegelungspotenzial zu identifizieren.
  3. Ein Umsetzungskonzept unter Einbindung relevanter Akteure zu erarbeiten:
    • Entwicklung eines Stufenplans zur schrittweisen Einführung des Netto-Null-Prinzips im Flächenverbrauch
    • Aufbau eines Potenzialflächenpools mit prioritär zu entsiegelnden Flächen
    • Prüfung rechtlicher Rahmenbedingungen und Umsetzungsinstrumente
    • Entwicklung eines Monitoring- und Berichtssystems
    • Darstellung, wie das kommunale Konzept zur Zielerreichung auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene beiträgt

Begründung

Notwendigkeit des Handelns

Fläche ist ein begrenztes Gut. Ihre Inanspruchnahme beeinträchtigt Böden, Artenvielfalt, Wasserhaushalt und Mikroklima und verschärft die Folgen des Klimawandels. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland ist in 27 Jahren um 27,7% angestiegen. Auf EU-, Bundes- und Landesebene wurden daher ambitionierte Reduktionsziele festgelegt. Mit diesem Antrag schaffen wir die Voraussetzungen für deren kommunale Umsetzung.

Schrittweises und evidenzbasiertes Vorgehen

Der Antrag verfolgt bewusst einen schrittweisen Ansatz: Vor verbindlichen Regelungen müssen technische Grundlagen und Datenerhebung, praktikable Umsetzungsinstrumente, Akteursbeteiligung und Kompatibilität mit Landesmonitoring sichergestellt werden. Der FNP 2030 dient als Referenzzeitpunkt, da er bereits beschlossen ist und die strategische Weichenstellung für die Stadtentwicklung darstellt.

Ausgewogener Ansatz

Aachen muss Wohnraum schaffen und zugleich ökologische Ressourcen schützen. Ein Netto-Null-Ansatz ermöglicht Vorrang für Innenentwicklung und Flächenrecycling, Flexibilität für kompensierte Außenentwicklung, strategische Klimaverbesserung durch gezielte Entsiegelung sowie Planungssicherheit für alle Beteiligten.

Zukunftsorientierung und Innovation

Die Integration in digitale Werkzeuge wie den Digitalen Zwilling macht Aachen zur Vorreiterstadt und schafft Transparenz, evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen, Simulationsmöglichkeiten sowie Quantifizierung des Aachener Beitrags zum NRW-5-Hektar-Ziel. Unser Ansatz kann als übertragbares Modell für andere Kommunen dienen.

Nur durch systematische Flächenkreislaufnutzung kann nachhaltige Stadtentwicklung gewährleistet werden, die den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung und dem Schutz natürlicher Lebensgrundlagen gleichermaßen gerecht wird. Mit diesem Antrag übernimmt Aachen Verantwortung für die Umsetzung der EU-Bodenstrategie 2030, der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und des Landesentwicklungsplans NRW und trägt aktiv zur Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrise bei.

Julia Brinner
Fraktions- & umweltpolitische Sprecherin
Johannes Hucke
Planungspolitischer Sprecher
   

 

 

 

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